Zehn Jahre Museum Barberini: Die Impressionisten und ihr Netzwerk
Édouard Manet, Portrait von Berthe Morisot liegend, 1873, Musée Marmottan Monet, Paris, Annie Rouart Nachlass, 1993
12. Oktober 2026 – Seit seiner Eröffnung 2017 hat sich das Museum Barberini zu einem international bedeutenden Zentrum des Impressionismus entwickelt. Mehr als drei Millionen Menschen haben das Museum seither besucht. Die Werke der Sammlung Hasso Plattner bilden den Ausgangspunkt für Ausstellungen, Forschung und internationale Kooperationen. 2027 feiert das Museum Barberini sein zehnjähriges Bestehen mit einem internationalen Jubiläumsprogramm und einem vielfältigen Veranstaltungs- und Digitalangebot. Höhepunkt des Jubiläumsjahres ist die Ausstellung Die Impressionisten. Monet, Morisot, Renoir und ihr Netzwerk, die mit mehr als 100 zum Teil selten ausgestellten Werken den Aufstieg des Impressionismus nachzeichnet und einen besonderen Schwerpunkt auf das Werk Claude Monets legt.
Wie wurde aus einer kleinen Gruppe junger Künstlerinnen und Künstler, deren Malerei zunächst auf Ablehnung stieß, die vielleicht populärste Kunstrichtung der Moderne? Zum zehnjährigen Bestehen des Museums Barberini erzählt die große Jubiläumsausstellung Die Impressionisten. Monet, Morisot, Renoir und ihr Netzwerk (7. November 2026 bis 21. Februar 2027) die Geschichte des Impressionismus neu: als Geschichte von Freundschaften und Förderern, mutigen Sammlerinnen und Sammlern, einflussreichen Kunsthändlern und Kritikern – und von persönlichen Beziehungen, die eine künstlerische Revolution von Paris in die Welt trugen. Die Jubiläumsausstellung ist zugleich eine Summe der Arbeit des Museums Barberini seit seiner Eröffnung 2017. Ausgehend von der Sammlung Hasso Plattner hat sich das Haus in den vergangenen zehn Jahren intensiv dem Impressionismus gewidmet – mit international besetzten Ausstellungen, wissenschaftlichen Symposien und gewichtigen Publikationen. Zum Jubiläum kommen nun Leihgaben aus vielen Museen, mit denen das Barberini in den vergangenen Jahren zusammengearbeitet hat, in einer Ausstellung zusammen.
Mehr als 100 Meisterwerke sind anlässlich der Ausstellung in Potsdam zu sehen. Darunter sind bedeutende Gemälde wie Claude Monets Bazille und Camille (1865, National Gallery of Art, Washington), Die Terrasse in Vétheuil (1881, Privatsammlung, Schweiz), Kathedrale von Rouen (1894, Klassik Stiftung Weimar), Sommer (1874, Alte Nationalgalerie) und Quai du Louvre (1867, Kunstmuseum Den Haag), Werke von Berthe Morisot wie Das Dampfschiff (1875, Privatsammlung) und Sonnenuntergang über dem See im Bois de Boulogne (1894, Privatsammlung) und selten gezeigte Gemälde von Édouard Manet wie Junge in den Blumen (1876, National Museum of Western Art, Tokio) und Portrait von Berthe Morisot liegend (1873, Musée Marmottan Monet, Paris). Gustave Caillebottes Schlüsselwerk Pont de l’Europe (1876, Association des Amis du Petit Palais, Genf) ist ebenso in Potsdam zu Gast wie Pierre-Auguste Renoirs Die Bucht von Neapel (1881, Metropolitan Museum of Art, New York) und Paul Cézannes Stillleben mit Äpfeln in Schale (1879–1882, Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen).
Zu den weiteren Leihgebern gehören das Art Institute of Chicago, das Clark Art Institute, Williamstown, das Tokyo Fuji Art Museum, das Musée des Impressionismes Giverny, das Musée d’Orsay in Paris, das Belvedere in Wien, das Kröller-Müller Museum in Otterlo, das Kunsthaus Zürich, das Museum Ordrupgaard bei Kopenhagen und die Royal Academy of Arts in London. Einen Schwerpunkt bildet Claude Monet: Inklusive der Gemälde Monets in der Sammlung Hasso Plattner sind während der Ausstellung 61 Werke des Künstlers im Museum Barberini zu sehen.
Zehn Bilder erzählen zehn Geschichten
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Frage: Was musste geschehen, damit aus einer neuen Art zu malen eine internationale Bewegung werden konnte? Die Antwort gibt die Ausstellung nicht als kunsthistorische Chronologie, sondern in zehn Geschichten. Ausgangspunkt ist jeweils ein Gemälde aus der Sammlung Hasso Plattner. Von dort folgt die Ausstellung den Menschen, die mit diesem Bild verbunden waren: den Künstlern, die es schufen, den Freunden, mit denen sie ihre Ideen entwickelten, den Sammlern, die früh an sie glaubten, den Händlern, die einen Markt für die neue Kunst schufen, und den Kritikern und Ausstellungsmachern, die sie bekannt machten. Die Provenienz eines Gemäldes wird so zur Erzählspur. Sie kann von einem französischen Schloss über eine Pariser Galerie und eine amerikanische Privatsammlung bis in ein Museum der Gegenwart führen – und dabei zeigen, wie der Impressionismus Schritt für Schritt die Welt eroberte.
Die Geschichten der Ausstellung zeigen, dass Kunstgeschichte nicht allein im Atelier geschrieben wird. Der Impressionismus setzte sich durch, weil Künstler zusammenarbeiteten, weil Sammler Risiken eingingen, weil Händler neue Märkte erschlossen und weil einzelne Menschen Bilder von Paris nach Chicago, Berlin, London oder New York brachten. Diese Verbindung von Meisterwerken und menschlichen Geschichten prägt die Jubiläumsausstellung. Sie ermöglicht Begegnungen nicht nur mit Monet, Morisot, Renoir, Manet, Caillebotte, Cassatt oder Sisley, sondern auch mit den Menschen hinter der Erfolgsgeschichte des Impressionismus.
Eine Sammlung wird zum Ausgangspunkt
Dass diese Geschichte in Potsdam erzählt werden kann, hängt eng mit der Entstehung des Museums Barberini zusammen. Der Museumsgründer und Stifter Hasso Plattner hat über Jahrzehnte eine Sammlung französischer impressionistischer und postimpressionistischer Malerei aufgebaut, die heute 115 Werke umfasst. Seit 2020 bildet sie das Zentrum der dauerhaften Präsentation des Museums. Die Sammlung war dabei nie nur als dauerhafte Präsentation gedacht. Ihre Werke wurden zum Ausgangspunkt für Ausstellungen über Claude Monet, Camille Pissarro, Paul Signac und die internationale Ausbreitung des Impressionismus. Internationale Gastkuratorinnen und Gastkuratoren, Symposien und wissenschaftliche Publikationen begleiteten diese Arbeit. So entstand innerhalb von zehn Jahren eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Museen und Forschenden weit über Potsdam hinaus. Werke der Sammlung Hasso Plattner reisen heute als Leihgaben in internationale Ausstellungen; umgekehrt ermöglicht die Zusammenarbeit mit den großen Sammlungen, dass für die Jubiläumsausstellung herausragende Werke aus Europa, Amerika und Asien nach Potsdam kommen.
Zu seinem zehnten Geburtstag macht das Museum Barberini dieses Netzwerk nun zum Thema – in der Ausstellung und, über ihre Laufzeit hinaus, in einem langfristig angelegten internationalen Forschungsprojekt.
Website Networks of Impressionism
Networks of Impressionism: Wissen aus Museen weltweit verbinden
Was die Ausstellung anhand von zehn Gemälden erzählt, soll künftig in weit größerem Maßstab erforschbar werden. Das Wissen über den Impressionismus ist heute über die ganze Welt verteilt. Ein Gemälde befindet sich vielleicht in Paris, Dokumente zu einem früheren Besitzer liegen in einem Archiv in New York, Informationen über eine historische Ausstellung in Chicago und weitere Werke derselben Serie in London, Tokio oder Potsdam. Networks of Impressionism soll diese verstreuten Informationen miteinander verbinden.
Das Museum Barberini baut gemeinsam mit internationalen Partnermuseen die langfristig angelegte digitale Forschungsplattform zum Impressionismus und Postimpressionismus auf. Anders als eine klassische Online-Sammlung soll Networks of Impressionism nicht nur Kunstwerke präsentieren. Entscheidend sind die Beziehungen über die Grenzen der Datenbanken der einzelnen Museen hinaus.
Durch diese Verknüpfung lässt sich ein Gemälde mit seinen früheren Besitzern, Kunsthändlern und Ausstellungen verbinden; eine Sammlerin mit den Künstlern, deren Werke sie kaufte; ein Händler mit den Städten und Galerien, über die er den Impressionismus verbreitete. Zeitachsen, Karten und Netzwerkdarstellungen machen Zusammenhänge sichtbar, die bislang allenfalls durch aufwendige Recherchen in unterschiedlichen Museen, Archiven und Publikationen nachvollzogen werden konnten. Langfristig soll Networks of Impressionism Informationen zu etwa 20.000 Gemälden, Pastellen und bedeutenden Arbeiten auf Papier in öffentlichen Sammlungen weltweit miteinander verbinden. Hinzu kommen Informationen über Künstler, Sammler, Händler, Ausstellungen, Publikationen und Provenienzen.
Die Plattform startet mit den Werken der Sammlung Hasso Plattner. 2027 entwickeln erste internationale Partnermuseen das Projekt gemeinsam mit dem Museum Barberini weiter; ab 2028 sollen weitere bedeutende Impressionismus-Sammlungen hinzukommen. Das Museum Barberini übernimmt die wissenschaftliche und strategische Koordination. Die beteiligten Museen behalten dabei die Kontrolle über ihre Daten und wirken an den wissenschaftlichen Standards und der weiteren Entwicklung mit. So soll aus Kooperationen, die zunächst für einzelne Ausstellungen entstanden sind, ein dauerhaftes internationales Forschungsnetzwerk werden – und aus Potsdam ein Ort, an dem Wissen über den Impressionismus weltweit zusammengeführt wird.
Mit drei weiteren großen Ausstellungen setzt das Museum Barberini sein Jubiläumsprogramm 2027 fort und erweitert den Blick vom Impressionismus auf unterschiedliche Positionen der europäischen Moderne.
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde Barcelona zum Schauplatz einer kulturellen Bewegung, die Architektur, Malerei, Musik und Literatur gleichermaßen erfasste. Barcelona moderna. Von Gaudí bis Picasso (20. März – 20. Juni 2027) stellt erstmals in Deutschland den katalanischen Modernismus in seiner kulturellen Breite vor und zeichnet das Bild einer pulsierenden Metropole zwischen 1880 und 1914. Neben Werken von Antoni Gaudí und Pablo Picasso werden Arbeiten unter anderem von Ramon Casas, Santiago Rusiñol, Isidre Nonell, Joaquim Mir und Hermenegildo Anglada-Camarasa gezeigt. Ihre Kunst entstand zwischen katalanischer Tradition, den Pariser Avantgarden und dem europäischen Art Nouveau – und vor dem Hintergrund der sozialen und politischen Spannungen einer rapide wachsenden Großstadt.
Bedeutende Leihgaben kommen aus dem Museu Nacional d’Art de Catalunya in Barcelona, dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid und dem Es Baluard Museu d’Art Contemporani de Palma sowie aus der Colección Carmen Thyssen-Bornemisza und weiteren internationalen Sammlungen. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Kunsthalle München, wo sie vom 23. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027 zu sehen ist.
Mit Marie Laurencin. Rollenspiel (24. Juli – 24. Oktober 2027) zeigt das Museum Barberini die erste Retrospektive der französischen Künstlerin in Deutschland seit 70 Jahren. Laurencin (1883–1956) bewegte sich im Paris der Avantgarde zwischen Guillaume Apollinaire, Gertrude Stein und Pablo Picasso, entwickelte jedoch eine unverwechselbare eigene Bildsprache. Ihre überwiegend weiblichen Figuren erscheinen nicht als festgeschriebene Identitäten, sondern in wandelbaren Rollen und Inszenierungen. Laurencin war weit mehr als Malerin. Sie entwarf Bühnenbilder und Kostüme für die Ballets Russes, arbeitete mit Mode und Design, gestaltete Interieurs, schrieb Gedichte und illustrierte Bücher.
Die Ausstellung entdeckt damit eine Künstlerin neu, die zu ihrer Zeit außerordentlich erfolgreich war und deren Stellung innerhalb der Moderne lange unterschätzt wurde. Über 70 Leihgaben des Musée Marie Laurencin in Tokio werden erstmals in Deutschland präsentiert. Dazu kommen Werke aus europäischen und amerikanischen Museumssammlungen sowie weitere Werke aus Museen in Japan, wo sich Laurencins Werk bereits seit den 1980er Jahren großer Beliebtheit erfreut.
Den Abschluss des Jubiläumsjahres bildet Félix Vallotton. Sehnsucht und Verführung (20. November 2027 – 20. Februar 2028). Der 1865 in Lausanne geborene Künstler kam als Sechzehnjähriger nach Paris und gehörte ab 1892 zur Gruppe der Nabis um Pierre Bonnard, Édouard Vuillard und Maurice Denis. Vallotton verband reduzierte Formen und dramatische Farbwirkungen mit einem präzisen, häufig ironischen Blick auf das bürgerliche Leben. Berühmt wurde er auch durch seine radikal vereinfachten Holzschnitte, mit denen er die Möglichkeiten der Druckgraphik erneuerte.
Die Ausstellung untersucht mit Leihgaben aus der Tate, London, dem Art Institute of Chicago, dem Cleveland Museum of Art, dem Montreal Museum of Fine Arts, dem Musée d’Orsay, Paris, dem Kunstmuseum Winterthur, dem Kunstmuseum Basel, dem Musée cantonal des Beaux-Arts, Lausanne, dem Statens Museum for Kunst, Kopenhagen, und vielen weiteren internationalen Sammlungen das Wechselspiel von Malerei und Druckgraphik und zeigt einen Künstler zwischen Symbolismus und Moderne, dessen Bilder psychologische Spannung mit überraschend moderner formaler Klarheit verbinden. Die Schau entsteht in Zusammenarbeit mit dem Museum Ordrupgaard in Charlottenlund bei Kopenhagen, wo sie vom 10. März bis 25. Juni 2028 zu sehen sein wird.
Das zehnjährige Bestehen wird von einem Programm begleitet, das unterschiedliche Zugänge zum Impressionismus eröffnet. Eine interaktive Installation macht die Netzwerke des Impressionismus im Museum räumlich erfahrbar. Eine Graphic Novel mit Texten von Daniel Kehlmann übersetzt die Geschichten in ein anderes Medium. Ein Young-Curators-Event richtet sich an eine neue Generation von Forschenden; mit dem Musée d’Orsay entsteht ein Projekt zu den Briefen Claude Monets.
Mit dem Barberini Mobil verlässt das Museum seine eigenen Räume. Ab Januar 2027 besucht ein Team aus Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittlern Schulen in Brandenburg und Berlin. Das kostenfreie Angebot richtet sich an Schulen, für die ein Museumsbesuch schwer zu organisieren ist. Motive, Materialien sowie analoge und digitale Werkzeuge bringen den Impressionismus direkt in den Klassenraum.
Ortrud Westheider: „Die Sammlung ist unser Ausgangspunkt“
„Die Sammlung Hasso Plattners ist der Ausgangspunkt unserer Arbeit. Aus ihren Bildern sind in den vergangenen zehn Jahren Ausstellungen, Forschungsfragen und internationale Kooperationen entstanden. Zum Jubiläum führen wir diese Entwicklung zusammen: Die Ausstellung erzählt anhand einzelner Werke die Menschen und Beziehungen hinter dem Erfolg des Impressionismus. Networks of Impressionism macht diese Beziehungen über die Ausstellung hinaus erforschbar und verbindet unser Wissen künftig mit dem anderer Sammlungen weltweit. Dass heute Werke aus Chicago, New York, Paris, Washington, London oder Tokio nach Potsdam kommen und zugleich Gemälde unserer Sammlung in den großen internationalen Museen zu sehen sind, zeigt, wie eng diese Zusammenarbeit geworden ist. Wir möchten sie nun dauerhaft weiterentwickeln.“
– Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini