„DAS SCHLARAFFENLAND“ VON PIETER BRUEGEL D. Ä. UND SEINE ERWERBSGESCHICHTE
EIN BEISPIEL JÜDISCHEN MÄZENATENTUMS ZU BEGINN DES 20. JAHRHUNDERTS
ALTE PINAKOTHEK | KABINETT 7
LAUFZEIT | 29. SEPTEMBER 2026‐31. JANUAR 2027*
Das “Schlaraffenland” von Pieter Bruegel d. Ä. gehört zu den Publikumslieblingen der Alten Pinakothek. Aber wie kam dieses Hauptwerk in die Sammlung? Und wer waren die Vorbesitzer? Diesen Fragen widmet sich die neue Präsentation in der Alten Pinakothek. Sie richtet den Blick auf das jüdische Mäzenatentum, das seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die deutsche Museumsland schaft nachhaltig prägte. Das war auch in München der Fall – viele Akteure aus dem Bürgertum und aus dem Kunsthandel verhalfen 1917 der Alten Pinakothek zu dieser spektakulären Erwerbung. Schon zu ihrer Entstehungszeit waren Werke von Pieter Bruegel d. Ä. hoch begehrt. Zu den wichtigsten
Sammlern zählte Kaiser Rudolf II. in Prag, der auch das „Schlaraffenland“ besaß. Die Präsentation zeichnet den Weg des Gemäldes aus der seinerzeit berühmten Sammlung von Richard von Kaufmann in Berlin über die Versteigerung 1917 bei Paul Cassirer und Hugo Helbing in die Alte Pinakothek nach. Noch heute begeistert das “Schlaraffenland” das Publikum mit seiner detailreichen und unterhaltsamen
Darstellung eines paradiesischen Zustands, der zugleich eng mit menschlichen Lastern verknüpft ist. Zur Geschichte dieses Gemäldes und seiner Erwerbung für die Alte Pinakothek gehört aber auch die andere Seite, die ebenfalls erwähnt werden muss: Mehrere der Personen, die den Erwerb des „Schlaraffenlandes“ für die Alte Pinakothek ermöglichten, wurden während der Zeit des Nationalsozialismus als jüdisch
verfolgt, ausgegrenzt und ermordet. Sie stehen stellvertretend für die zahlreichen Mäzene der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, die wesentlich zum Ausbau der bayerischen Kunstsammlungen beitrugen. An ihr Engagement erinnert diese Präsentation.
Seit kurzem wird in der Alten Pinakothek auch der eng mit dieser Geschichte von Ermordung, Verfolgung und Entrechtung verknüpfte Aspekt des Kulturgutverlustes thematisiert: Im Eingangsbereich zu den Räumen, in denen unter dem Titel “Von Turner bis van Gogh” eine Auswahl von Hauptwerken der Neuen Pinakothek ausgestellt ist, illustriert eine Schauwand die verschiedenen Aspekte der Provenienzfor
schung am Beispiel des Gemäldes “Der Institutsspaziergang” von Carl Spitzweg.
ALL EYES ON setzt inmitten der Galerie ein Werk oder eine Werkgruppe, eine bedeutende Künstlerpersönlichkeit oder künstlerische Position, Gastauftritte einzelner Leihgaben, wichtige Restaurierungen oder Neuerwerbungen in Szene. Die künstlerischen wie technischen Qualitäten der Gemälde, Inhalt und Bedeutung, ihre Entstehungs- und Wirkungsgeschichte sowie ihre Schöpfer werden im Kontext der
Sammlung beleuchtet. Auf diese Weise eröffnen sich neue, aktuelle Perspektiven und vielfältige Einblicke in die Forschungsarbeit an den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.
Weitere Informationen zum Werk und zum Programm:
www.pinakothek.de/das-schlaraffenland-und-seine-erwerbsgeschichte
BEGLEITPROGRAMM
Begleitend zur ALL EYES ON Sammlungspräsentation „’Das Schlaraffenland‘ von Pieter Bruegel d. Ä. und seine Erwerbsgeschichte“ bietet die Alte Pinakothek folgendes Bildungs- und Vermittlungsangebot.
KUNSTAUSKUNFT
Kommen Sie mit uns ins Gespräch! Jeden zweiten Sonntag stehen Ihnen in der Oberen Galerie der Alten Pinakothek (Kabinett 7) unsere Kunstvermittler:innen für Fragen und Gespräche rund um Pieter Bruegels „Schlaraffenland“ zur Verfügung.
SO 04.10. | 18.10. | 01.11. | 15.11. | 29.11. | 13.12. | 27.12. 2026 | 10. 01. | 24. 01. 2027, 13.30–15.30
Ohne Anmeldung | Einstieg jederzeit möglich
30 MINUTEN | 1 WERK
SO 11.10. | 25.10. | 08.11. | 22.11. | 06. 12. | 20. 12. 2026 | 03. 01. | 17. 01. | 31. 01. 2027, 13.30–14.00
FÜHRUNG „EINE STUNDE MIT …“
In unserer Reihe „Eine Stunde mit …“ führen Sie Menschen durch die Sammlung, die täglich mit den Kunstwerken arbeiten, sie erforschen, bewahren und vermitteln. Diesmal spricht Dr. Mirjam Neumeister, Sammlungsdirektorin der Alten Pinakothek und Kuratorin für Flämische Barockmalerei, mit Spezialistin nen der Provenienzforschung der Staatlichen Museumsagentur Bayern über die Wege der Gemälde in die Sammlung und die Geschichten ihrer Besitzverhältnisse.
DO 26.11.2026, 13.00–14.00: Mirjam Neumeister im Dialog mit Franziska Eschenbach
DI 19.01.2027, 14.00 –15.00: Mirjam Neumeister im Dialog mit Theresa Sepp
Pieter Bruegel d. Ä.
Das Schlaraffenland, 1567
Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Alte Pinakothek, München
Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Elisabeth Greil
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KONZEPT UND FREIE HAND
ÖLSKIZZEN VON PETER PAUL RUBENS




