Düsterholz 1976 – Auftakt einer neuen Krimi-Reihe aus dem Münsterland 
NACHGEFRAGT – Ein Interview mit dem Autoren
Guten Tag, Herr Finnek. Mit „Düsterholz 1976“ starten Sie eine neue Krimi-Reihe, die im Münsterland spielt.
Im Münsterland sind Sie geboren und aufgewachsen, leben aber aktuell in Berlin. Gibt es eine
Vorlage für das Örtchen, in dem Ihr Werk spielt?
Tom Finnek: Mein Geburtsort Alstätte ist Vorbild für den fiktiven Ort Düsterholz. Alstätte hat – ohne es böse zu meinen – etwas Provinzielles und Gemütliches … ein Ort ohne direkte Zug- oder Autobahnanbindung, an der Grenze zu Holland. Den Ort kenne ich gut und genauso einen Ort brauchte ich, um meinen Krimi zu erzählen und eine politische Begebenheit zu platzieren, die den scheinbaren Frieden gewaltig stört. Alstätte ist übrigens durchaus erkennbar in meinem Roman, wenn man aus der Gegend kommt. Und das
ist auch gewollt. Denn das Heimelige trifft hier auf etwas Unerwartetes. Eine RAF-Geschichte nimmt plötzlich Raum ein im eher beschaulichen Düsterholz. In diesem Auftakt-Band lernen wir Christa Lehmkuhl, die in den 1960er Jahren zum Studieren in Berlin war, und ihren Onkel, den Dorfpolizisten Anton Hellmann, kennen. Christa ist eine andere Generation als ihr Onkel. Sie steht für Unruhe und Wandel, während Anton für Ruhe und Stetigkeit steht. Sie erkennt in einer vermeintlichen Unfalltoten einen Schatten aus ihrer Vergangenheit und bringt Unordnung in die friedliche Abgeschiedenheit.
Sie haben schon mehrere Krimi-Serien und Trilogien geschrieben. Was reizt sie an historischen
Themen?
Tom Finnek: Geplant habe ich mit „Düsterholz“ eine Trilogie, die eine Zeitreise unternimmt. In der Gegenwart wird ein lang gehütetes Geheimnis – nämlich das von Christa – gelüftet. Dass die RAF in meinem Krimi vorkommt, ist zwar ein wesentlicher Teil der Erzählung, aber niemand muss sich hier in der Geschichte genau auskennen, um meinen Krimi zu verstehen. Ich habe quasi einen Vergangenheitskrimi mit Gegenwartsbezug geschrieben. Dabei stehen jedoch der Krimi und die damals noch handwerkliche Polizeiarbeit im Vordergrund. Denn es gibt kein Handy, keine Handyortung, keinen DNA-Abgleich, keine Kamera-Überwachung und dergleichen. Der Charme der altmodischen Kriminalermittlung reizt mich.
Was fasziniert sie den 1970ern oder speziell an 1976, dem Jubiläumsjahr in 2026?
Tom Finnek: Ich bin selbst Jahrgang 1965 und habe in den 1970er meine Kinder- und Jugendzeit gehabt, eine sehr prägende Zeit. Das Bonanza-Rad, die Lolli Leckmuschel, das Grünofant Eis und das orangefarbene Wählscheibentelefon – an all diese Dinge erinnere ich mich gut und habe sie auch als Details in „Düsterholz 1976“ eingebaut, um Atmosphäre zu schaffen. Ich lasse meine eigene und auch die Vergangenheit meiner Leser mit diesen Dingen aufleben. Was vor genau 50 Jahren geschah, ist Aufhänger und Ausgangspunkt für meinen Krimi. 1976 ist dabei sehr gezielt gewählt, nicht nur wegen des damaligen Jahrhundertsommers, sondern auch in Bezug auf die RAF. Es ist genau ein Jahr vor der Schleyer-Entführung und dem Deutschen Herbst. Wenn der Dorfpolizist also sagt, die RAF sei doch bereits Geschichte, so stimmt das nicht – wie der Leser weiß. Denn es folgt das Jahr 1977 …
Wie sind Sie zum Krimischreiben gekommen?
Tom Finnek: Ich bin eher zufällig zum Krimischreiben gekommen. Auslöser waren bei mir vermutlich die Raymond-Chandler-Romane. Außerdem war ich fasziniert von den frühen Krimis des 19. Jahrhunderts, besonders von Wilkie Collins („Der Monddiamant“ oder „Die Frau in Weiß“), einem Zeitgenossen von Charles Dickens. Er war neben Edgar Allan Poe genreprägend und seine Romane wirken erzählerisch beinahe gewagt. Und gerade das Ungewöhnliche und Unerwartete reizt mich beim Lesen und Schreiben. Egal, was ich schreibe, ob Liebesgeschichte oder Historien-Roman, ich komme beim Erzählen immer wieder zur Spannungsliteratur. Denn das An-der-Nase-Herumführen und Falsche-Fährten-Legen macht mir unheimlich Spaß.
Scheinbar stößt Christa auf ein Geheimnis, das in der Vergangenheit liegt und auch etwas mit ihrem
Onkel zu tun hat. Wie wird es im nächsten Band weitergehen?
Tom Finnek: Obwohl alle meine Krimis innerhalb einer Reihe eine geschlossene Kriminalhandlung haben, gibt es im horizontalen Erzählgeschehen ungeklärte Dinge, die in den jeweils nächsten Band weitergetragen werden. Beispielsweise bleibt bei „Düsterholz 1976“ die Frage nach der Vaterschaft Christas rätselhaft. Ab dem nächsten Band wird übrigens auch ein zotteliger Hund Christa und ihren Onkel begleiten. Im ersten Band führe ich diesen Hund bereits ein, auch wenn er hier noch eine etwas schläfrige Nebenrolle spielt. Seien Sie also gespannt, unter welchen Umständen Christa und Anton auf den Hund kommen!
Herzlichen Dank für das Interview.
NACHGEFRAGT
Mit „Düsterholz 1976“ hat Tom Finnek einen atmosphärisch dichten Landkrimi geschrieben, der Zeitgeschichte, Provinzmilieu und persönliche Tragödien auf ungewöhnlich spannende Weise verbindet. Gekonnt dekonstruiert er die scheinbare ländliche Idylle, in der halsstarrige Bauern und streitlustige Hippies die Mordermittlungen nicht eben erleichtern. Dabei schafft er mit hoher erzählerischer Dynamik einen ebenso intelligenten wie unterhaltsamen historischen Kriminalroman.
„Düsterholz 1976“ ist Auftakt einer Trilogie – hat uns Tom Finnek, der mit bürgerlichem Namen Mani Beckmann heißt, verraten. Der Geburtsort des Autors, Alstätte, ist sogar Vorbild für den fiktiven Ort Düsterholz.




