
NACHGEFRAGT
Doris Oetting lebt in Minden und veröffentlichte neben mehr als zwanzig Kurzgeschichten inzwischen bereits sechs Romane. Ihr aktueller Thriller »Entscheidung auf Norderney« erschien im März 2025 bei KBV.
Werner Pfeil, (Jahrgang 1957) mordet gern mit Leidenschaft und spitzer Feder in seinen spannenden Senne-Krimis. Er ist Mitorganisator des Literaturfestivals OWL und des Krimifestivals OWL, außerdem Mitglied im Syndikat.
Die Autorin und Dipl.-Psychologin Heike Rommel lebt in Bielefeld – dem Hauptschauplatz ihrer vielschichtigen Whodunit-Krimis. In ihrem achten Roman »Heller Sand und dunkler Tod« (März 2026, KBV) schickt sie ihren Kommissar erstmals auf die Nordseeinsel Norderney.
Meike Messal mordet messerscharf. Nur rein literarisch, versteht sich – da allerdings mit großer Leidenschaft für tiefgründige, spannende und originelle Geschichten. Ihre OWL- und Ostseekrimis sind Pageturner, ganz neu ist »Weserfluch« erschienen. Teamfoto: © privat
Die Ostwestfalen haben kriminelle Fantasie Pickert, Pölter und Pistolen 2 – Mörderische Geschichten aus OWL Begleitend zum zweiten Krimifestival im Ostwestfalen-Lippe gibt es wieder eine Anthologie, die gespickt ist mit tollen Kurzkrimis … An Schauplätzen bis weit ins Hinterland von OWL präsentieren 23 Autorinnen und Autoren finstere Intrigen, gemeine Mordanschläge und kreative Strategien zur Leichenbeseitigung. Welche Strategie zur „Beseitigung“ ist Ihnen als Herausgeber- Team denn in besonders bunter Erinnerung?
Werner Pfeil
Nach dieser Anthologie schaut man im Alltag genauer hin. Besonders im Gedächtnis bleibt eine „Beseitigungsstrategie“, die so unscheinbar beginnt, dass man sie fast überliest – und genau darin liegt ihre Raffinesse: leise, durchdacht und gerade deshalb verstörend wirkungsvoll. Sie zeigt, was viele Geschichten in „Pickert, Pölter & Pistolen“ verbindet: Das Gefährliche liegt nicht im Offensichtlichen, sondern im Vertrauten – im Alltag, in der Nachbarschaft, vielleicht direkt nebenan. Genau diese Mischung aus regionaler Bodenständigkeit und krimineller Fantasie macht den besonderen Reiz der Anthologie aus – und verändert den Blick auf Ostwestfalen-Lippe nachhaltig.
Doris Oetting
Mehr als die Strategie zur Leichenbeseitigung fasziniert mich häufig, wenn Täterinnen und Täter sich gar nicht die Mühe machen, Mordopfer zu beseitigen, weil sie selbstsicher und abgebrüht davon ausgehen, dass ihnen ohnehin niemand auf die Schliche kommt. Der Kurzkrimi, den ich für die Anthologie geschrieben habe, liefert ein Beispiel dafür.
NACHGEFRAGT
Wie schafft man es, zu viert – mit 23 Autorinnen und Autoren an Bord – eine abwechslungsreiche Anthologie herauszubringen? Das muss ein wahnsinniger Aufwand bezüglich Absprachen sein. Wie haben Sie das organisiert?
Heike Rommel
Beim Lektorat haben wir uns aufgeteilt, je nachdem, wer gerade Zeit hatte. Jeder Krimi wurde aber mindestens zu zweit lektoriert. Dieses Verfahren hatte sich schon bei der ersten Anthologie bewährt, da jeder einen etwas anderen Blick hat. Zwischendurch gab es die eine oder andere Herausforderung. Zum Beispiel haben wir kurz vor knapp noch eine Absage für einen Beitrag bekommen und hatten das Glück, dass ebenso kurzfristig noch ein in OWL recht beliebtes Autorenduo eingesprungen ist. Im Ergebnis repräsentiert die Anthologie einen guten Querschnitt durch die vielfältige, regionale Autorenszene.
Was macht OWL als Region für Krimis so spannend?
Werner Pfeil
Ostwestfalen-Lippe wirkt auf den ersten Blick ruhig und bodenständig – und genau darin liegt seine Stärke als Krimi-Schauplatz. Denn das Spannende entsteht dort, wo man es nicht erwartet: im Vertrauten, hinter gepflegten Fassaden, in kleinen Ortschaften und entlang scheinbar harmloser Wege. Die Region bietet eine besondere Mischung aus Nähe, gewachsenen Strukturen und Raum für Fantasie. Man glaubt, sich zu kennen – und genau dieses Gefühl lässt sich erzählerisch reizvoll brechen. Für Autorinnen und
Autoren entstehen so glaubwürdige Figuren und dichte Atmosphären. Oder anders gesagt: In OWL ist es selten laut kriminell – aber wenn, dann mit nachhaltiger Wirkung.
Heike Rommel
Ich pflichte meinem Autorenkollegen bei: OWL wirkt nicht gerade wie ein greller Hotspot der Kriminalität, auch wenn es in der Region in der Vergangenheit eine ganze Reihe spektakulärer Fälle gab, mit denen sich u.a. der True-Crime-Podcast „OstwestFälle“ beschäftigt. Wie zuweilen in der Realität so schleicht sich auch in der Fiktion das Grauen hierzulande eher unerwartet und langsam an und wirkt umso stärker.
Einige der Autorinnen und Autoren sind auch waschechte Ostwestfalen. Was zeichnet die
Ostwestfalen von ihrer Mentalität her Ihrer Meinung nach besonders aus?
Meike Messal:
Wir Ostwestfalen haben ja wirklich sehr viel Humor. Er ist nur gut versteckt. Und wir schweigen meistens– aber wenn wir reden, dann hat es Substanz. Das ist in den Geschichten der Anthologie ganz genauso. Sie erscheinen harmlos und plötzlich kommt das Unerwartete herangekrochen, versteckt sich zwischen den Zeilen, lauert – um uns dann mit aller Macht anzuspringen.
Doris Oetting





