Rumpelbude oder Kitschmuseum
Sie kennen beide Begriffe? Fügen Sie – im Alter – dazu.
Aha, jetzt hat es klick gemacht.
Im Alter wählen Sie zwischen Rumpelbude oder Kitschmuseum.
Zuweilen fällt beides zusammen.
Beginnen wir von vorn.
Eine Voraussetzung in einem der beiden Wohnarten zu landen, liegt wohl in früher Jungend.
Elterliche Ermahnungen aufzuräumen haben nicht viel genutzt. Schrankfächer, Schubladen, selbst der Schulranzen waren immer wieder in größtem Durcheinander. Eben eine Rumpelbude.
Im Laufe des Lebens hat sich so viel angesammelt, dass der Weg zum Messie nicht weit ist.
„Houston, wir haben ein Problem“ , sagte Jim Lovell von Apollo 13. Es ist ein geflügelter Satz geworden, besonders nach dem Film mit Tom Henks.
Das Problem haben Rumpelbudentypen und Kitschmuseumstypen gleichermaßen. Nur, sie können es nirgendwohin senden.
Alles wird aufgehoben, man hängt ja dran und jedes hat seine Geschichte.
Die alten Schulhefte mit Aufsätzen, welche eine 1 ziert, Omas silberner Kaffeelöffel mit Gravur und gestickte Kaffeedecken. Überhaupt die schönen alten Handarbeiten. Doch wegwerfen? Niemals! Fotoalben mit Menschen, die man gar nicht kannte. Uropas Siegelring und so weiter.
Der alte Perser? Kann weg! Nein! Oben in der Kammer, wo die Bilder hängen kann er liegen.
Da stehen ja auch die Kartons mit den Faschingskostümen und Mutters Hut und Hochzeitskleid. In irgendeinem ist das eigene Taufkleidchen. Die Zuckertüte ist auch noch da.
Wo ist das Tagebuch von Opa, da steht doch sein halbes Leben drin.
Ach, es ist eine Rumpelbude da oben. Man müsste mal . . .
Wegwerfen?
Aber nein! Aufräumen, sortieren, es „schön machen“.
Und wie ist es bei den Kitschmuseumstypen?
Nur aufbewahren in Kartons? Da kann man es gleich wegwerfen.
Die wollene große Decke. Hatte Oma nicht immer erzählt, woher die kam? Sie hatten doch in Frankreich gelebt, wo das Muster Tradition hat.
Oder war es Belgien und waren es nicht die Eltern von Oma?
Die Decke kann doch auf dem Sofa liegen.
Und da ist der große Zweig mit den hübschen Papiervögelchen. Der kann an der freien Wand über dem Bücherregal hängen.
Das alte Filmplakat? Ja, daran hatte Opa seine Freude. Das kommt über den Schreibtisch zu dem Foto von seinem Pferd.
So kann man aufzählen, sammeln und die Wohnung mit alten Erinnerungen neu dekorieren.
Aber es sind so viele und jedes Stück ist es wert aufgehoben zu werden.
Oder nicht?
Vielleicht gehören Sie zu den Minimalisten? Es genügen die Erinnerungen, materielle Dinge werden nur zur Last. Nichts davon muss an den Wänden hängen oder herumstehen. Schließlich hat man auch noch die eigenen Geschichten.
Es ist wohl eine Frage der Erinnerungen. Und eine Geschmackssache. Und ein wenig Wehmut versteckt sich auch darin.
Auf einmal sind die Geschichten um die alten Dinge wichtig. Sind es die Dinge oder die Menschen der Vergangenheit? Beides!
Ob es nun in kitschigem Durcheinander herumsteht oder in Kartons liegt.
Wer hat darüber zu richten?
Sabine Penckwitt für kulturinfo-lippe.




