Festveranstaltung zum Abschied von Prof. Dr. Thomas Grosse und
zum 80-jährigen Jubiläum der Hochschule für Musik Detmold
Mit einer großen Festveranstaltung im Konzerthaus hat die Hochschule für Musik Detmold ihren langjährigen Rektor, Prof. Dr. Thomas Grosse, verabschiedet. Zahlreiche Gäste aus Politik, Wissenschaft, Kultur sowie Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter würdigten das Wirken des Rektors, der zum 30.09. aus dem Amt scheiden wird.
Persönliche Worte zum Anlass fand Prof. Dr. Dr. h.c. Lambert T. Koch, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, der kurzfristig für die erkrankte Prof. Lydia Grün einsprang. Als ehemaliger Sprecher der Landesrektorenkonferenz der Universitäten Nordrhein-Westfalens hob Koch die verbindenden Elemente zwischen Kunst, Pädagogik und Wissenschaft hervor, für die Thomas Grosse stand. „Thomas Grosse verstand es, die Belange der Kunst- und Musikhochschulen nach außen zu vertreten, ohne das große Ganze aus dem Blick zu verlieren.“
Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen: „Mit Thomas Grosse verabschieden wir einen herausragenden Hochschulleiter und engagierten Fürsprecher der Kunst- und Musikhochschulen in Nordrhein-Westfalen.
Mit großer Leidenschaft hat er sich für die Hochschule für Musik Detmold, für Gleichstellung und für die gemeinsame Weiterentwicklung der Hochschullandschaft eingesetzt. Er hat die Musikhochschule mit Weitblick, Integrität und dem Willen geprägt, gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden. Für die vertrauensvolle Zusammenarbeit danke ich ihm von Herzen.“
In seinem Festvortrag mit dem Titel „Performanz – Vermittlung – Analyse. 80 Jahre Musikstudium in Detmold“ blickte Grosse zurück auf die Gründerzeit der unter ihrem damaligen Namen noch bekannten Nordwestdeutschen Musikakademie als ältester eigenständiger Hochschule OWLs. Anhand von Zitaten zeigte er u. a. auf, dass einige
der neuen Entwicklungen der Hochschule schon in den Anfangsjahren angelegt waren. 80 Jahre nach der Gründung führte er weiterhin aus, dass ein Musikstudium in der heutigen Zeit nicht auf den getrennten Säulen Kunst, Wissenschaft und Pädagogik aufbaue, sondern eher in den Schnittstellenbereichen und fließenden Übergängen zu
Performanz, Vermittlung und Analyse angelegt sei. Zwischendurch verwob er diese Aspekte immer wieder mit seiner eigenen persönlichen sowie musikalischen Biografie.
Den musikalischen Rahmen gestaltete das Hochschulensemble Gran Partita Detmold unter Leitung von Thomas Lindhorst mit Auszügen aus der Bläserserenade d-Moll op. 44 von Antonín Dvořák. Ein besonderer Höhepunkt des Abends war der Auftritt eines eigens aus Wien angereisten Jazz-Trios um den ehemaligen Solo-Kontrabassisten der
Wiener Philharmoniker Georg Breinschmid. Zusammen mit seinen Mitmusikern, dem Violinisten Benjamin Schmid sowie dem Pianisten Antoni Donchev, bot er dem Publikum Kostproben seines aktuellen Bühnenprogramms.
Dabei kreierten die Musiker mit einer gehörigen Prise Humor ihren ganz eigenen Stil aus Weltmusik- und Jazzelementen, Balkanmusik sowie französischer Musette und Wiener Lied.
Nicht zuletzt sorgten Studierende der HfM Detmold und der Universität Paderborn unter Leitung von Prof. Dr. Jonas Völker und Jonas Spieker mit der Eröffnung des Hörparcours „Sounding Loss. Klangkunst im Angesicht von Klimakrise und Artesterben“ an ausgewählten Stationen des Palaisgartens für aktuelle Bezüge. Zwölf Jahre, zwei Amtszeiten lang, leitete Thomas Grosse die Hochschule für Musik Detmold als Rektor. In dieser Zeit setzte er entscheidende Impulse für ihre gesellschaftliche Positionierung im 21. Jahrhundert. Als Sprecher der Landesrektorenkonferenz der Kunst- und Musikhochschulen Nordrhein-Westfalens stärkte er die Position der Kunst- und Musikhochschulen innerhalb der nordrheinwestfälischen Hochschullandschaft und etablierte sie als gleichberechtigte Partnerinnen neben Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Unter seiner Leitung als Rektor wurden die nationalen und internationalen Partnerschaften der Hochschule konsequent und nachhaltig ausgebaut. Besonders intensivierte er die Zusammenarbeit aller sieben Kunst- und Musikhochschulen mit der Europäischen Akademie der Künste im Palazzo Ricci in Montepulciano sowie mit der Hamdeok School auf der südkoreanischen Insel Jeju. Mit Beginn seiner zweiten
Amtszeit richtete die Hochschule das Prorektorat für Wissenschaft und Digitalisierung ein und schuf damit wichtige Voraussetzungen, um den digitalen Wandel in Studium, Lehre und Forschung aktiv zu gestalten. Ein weiteres zentrales Anliegen Grosses war die Förderung von Chancengleichheit und Internationalisierung. Er stärkte die Sprachförderung für internationale Studierende, führte die Hochschule erfolgreich durch mehrere Bewerbungen im Professorinnenprogramm des Landes und setzte sich nachhaltig für Gleichstellung, Teilhabegerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit ein, was der Hochschule nicht zuletzt das Prädikat „Gleichstellungsstarke Hochschule“ gesichert
hat. Gleichzeitig blieb die Sicherung der künstlerischen Exzellenz eines seiner zentralen Anliegen. Zu seinen nachhaltigen Erfolgen zählt außerdem die Gründung von L³Musik, dem ersten und bislang einzigen Weiterbildungsinstitut innerhalb der 24 deutschen Musikhochschulen. Darüber hinaus erhielt die Hochschule während seiner Amtszeit die Zusage für den Neubau eines Kirchenmusikinstituts, das die Kirchenmusikausbildung in Detmold nachhaltig sichert.
Vor seinem Wechsel nach Detmold war der aus Hameln stammende Musikpädagoge und Oboist viele Jahre in Hannover tätig. Nach seiner Promotion im Jahr 2006 war er bis 2011 Dekan an der heutigen Hochschule Hannover. Bereits 1998 wurde er dort zum Professor für Ästhetische Kommunikation mit dem Schwerpunkt Musik berufen.
Darüber hinaus lehrte er an der Universität Hildesheim, veröffentlichte wissenschaftliche Beiträge in Fachpublikationen sowie zu Musik in der Sozialen Arbeit und war sowohl in Leitungsfunktionen an Musikschulen als auch als Oboist in
verschiedenen Orchestern tätig.
Bildunterschrift: Hochschulrektor Prof. Dr. Thomas Grosse und Kultur- und
Wissenschaftsministerin Ina Brandes umgeben von den Musikern Antoni
Donchev und Benjamin Schmid (links) sowie Georg Breinschmid (rechts) © HfM
Detmold/Helms




