PREMIERE Fr. 29.05.2026 / 20 Uhr / Theater am Alten Markt
Koloss
Sina Ahlers / Zara Ali / Katharina Mänz **
Ein Stück für ein Orchester, eine Medienkünstlerin und fünf Menschen auf
der Bühne / Spartenübergreifendes Theater
Musikalische Leitung Louis Wittmann Inszenierung Nick Westbrock Bühne, Kostüme
Constanze Müller Licht Mario Turco Choreografie Felix Berning Dramaturgie Felix
Berning, Ralph Blase, Laura Herder Mit Hella Dräger*, Clara Fenchel*, Leonard
Geiersbach (Kontrabass), Tomas Kildišius*, Maria Mészár (Viola), Gesa Schermuly,
Marta Wryk
* Mitglied des Bielefelder Studios
** Sina Ahlers (Text) / Zara Ali (Komposition) / Katharina Mänz (Medienkunst) sind Artists in Residence
des Bielefelder Studios.
Ist das Monströse die permanente Veränderung? »6000 Meter. Ein Koloss ruht im Hadal, an der tiefsten Stelle, kein Sonnenlicht.
Sein Körper hat dieselbe Struktur wie der Meeresboden.« Jan und Katja sind ein ganz normales Paar, zumindest bisher. Dann hält Katja den Atem an, ganz buchstäblich und im übertragenen Sinne. Sie möchte nicht mehr angefasst werden, weist Jan zurück, entgleitet ihm. Eine Reise ans Meer könnte die Lösung sein! Doch hier kommt alles anders als gedacht. Woher kommen die Kritter? Was verbindet Katja mit der Meduse und der Tiefsee? Was bedeutet das für ihre Beziehung, was sind Grenzen, was wird fluide?
Während die eine sich verwandelt, kommt der andere nicht mit und tut sich schwer, Veränderung anzunehmen, will an dem festhalten, was einmal war.
»Koloss« kreist um das Monströse im Verborgenen: um Verwandlung, Begehren und die Frage, was geschieht, wenn sich in einer Beziehung eine Person verändert – und die andere das nur schwer verstehen kann. Ist das Monströse die permanente Veränderung
– die Erfahrung, sich selbst als dem ewig Anderen zu begegnen? Oder liegt es im Festhalten an einer festen Kernidentität, im Nicht-Fluiden? Und: Was ist der Koloss im Raum – unter Wasser?
»Koloss« ist eine eigenständige Kreation, die künstlerische Disziplinen miteinander verschränkt – und die Frage stellt, was sich unter der Oberfläche verbirgt: sowohl unserer Beziehungen als auch des Theaters.
Die Artists in Residence des Bielefelder Studios – die Komponistin Zara Ali, die Autorin Sina Ahlers und die Medienkünstlerin Katharina Mänz – arbeiten seit der Spielzeit 2024/25 an einer gemeinsamen Stückentwicklung und erforschen dabei das
spartenübergreifende Arbeiten: das Ineinandergreifen von Text, Musik und Medienkunst, von Darstellenden unterschiedlicher Disziplinen. Daraus entsteht eine eigenständige Kreation aus Sprache, Gesang, atmosphärischer und vielschichtiger Musik
zwischen Elektronik, Instrumentalem und Klang sowie Medienkunst, die das Visuelle von Beginn an entwickelt hat.
Regisseur Nick Westbrock setzt diesen Prozess mit der Inszenierung auf der Bühne, gemeinsam mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Constanze Müller und Choreografien von Felix Berning fort. Mit diesem künstlerischen Abschluss der Artists in Residence des Bielefelder Studios endet auch die zweijährige Studiozeit für die Darsteller*innen Hella Dräger, Clara
Fenchel und Tomas Kildišius, die als Mitglieder des Bielefelder Studios mit »Koloss« ihre letzte Premiere haben werden.
Für das Theater Bielefeld steht »Koloss« im Kontext der Suche des Hauses nach Möglichkeiten des Mehrspartentheaters, die vorhandenen Kunstformen Gesang, Musik, Spiel und Tanz miteinander zu kombinieren. Dieser Ansatz versteht sich gleichzeitig als eine Annäherung an ein transformatives Theater – als wichtiger Begegnungsort, für eine offene und grenzenlose Gesellschaft.
Ein Stück stellt sich vor – Koloss 19.05.2026, 19.00 Uhr, TAM, Eintritt frei
Nächste Termine 02.06. / 12.06. / 18.06. / 02.07. / 10.07. (z.l.M.) Karten T. 0521 51 5454 // www.theater-bielefeld.de
DAS BIELEFELDER STUDIO
Das Bielefelder Studio wurde 2019 im Rahmen der ersten Förderrunde von »Neue Wege«, einem Programm der Landesregierung zur Weiterentwicklung der Profile kommunaler Theater- und Orchesterbetriebe, gegründet. In diesem Modellprojekt reift eine neue Generation von Bühnenkünstler*innen heran, die die Grenzen der Genres selbstverständlich überschreitet. Von 2019/20 bis 2023/24 umfasste das Bielefelder Studio drei junge Darsteller*innen aus den Bereichen Gesang, Tanz und Schauspiel, die sich im Rahmen des Studios jeweils eine Spielzeit lang in allen Sparten weiterbildeten. Dabei erhielten sie die Gelegenheit, ihre fachspezifische Ausbildung zu vervollständigen und zu erweitern. Die Mitglieder des Studios wurden in Projekten und Produktionen aller Sparten eingebunden. Parallel dazu besuchten sie Workshops und erhielten Coachings in Gesang, Tanz und Spiel sowie zu weiteren berufspraktischen Aspekten.
In der Spielzeit 2024/25 wurde das Studio um drei weitere Künstler*innen erweitert: eine Autorin, eine Komponistin und eine Medienkünstlerin. Zudem koordiniert ein Inter-Sparten-Manager alle Aspekte des Bielefelder Studios. Das Bielefelder Studio widmet sich spartenübergreifendem Arbeiten und möchte die Sparten noch durchlässiger gestalten. Die dabei für die Organisation entstehenden Herausforderungen sollen genutzt werden, um insgesamt flexibler, agiler und somit zukunfts- und veränderungsfähig zu werden – hinter dem Studio stehen also, neben der Bühnenkunst, auch Fragen der Organisationsentwicklung und ein umfassender
Transformationsprozess.
BIOGRAFIEN DER ARTISTS IN RESIDENCE DES BIELEFELDER STUDIOS
Sina Ahlers (*1990) schreibt Dramatik und Prosa. Sie lebt in Frankfurt am Main. 2020 machte sie ihren Abschluss im Szenischen Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Ihr erstes Stück »Schamparadies« wurde für den Heidelberger Stückemarkt
nominiert. Für die documenta fifteen entwickelte sie mit dem Kollektiv Art Ashram die partizipative Performance »Future Fossil Factory« zum Thema Fossilien/Fossile Energie. Außerdem kooperiert sie mit dem Performance Kollektiv äöü, zuletzt für »Geh zur Ruh«, eine Produktion über die Geschichte der Kur. Ihre Kurzprosa »Originale« wurde bei dem 27. Open Mike mit dem Preis für Prosa und dem taz-Publikumspreis ausgezeichnet. 2022 hatte sie ein Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats am Literarischen
Colloquium Berlin inne. Im September 2023 wurde »Sie sagen Täubchen, ich sag Taube« in der Regie von Fanny Brunner am Jungen Landestheater Detmold uraufgeführt, ein Präventionsstück zum Thema sexueller Missbrauch/sexual consent. Außerdem erhielt
Sina Ahlers das Elsa-Neumann-Stipendium des Landes Berlin und eine Förderung vom Deutschen Literaturfonds für ein Stück über Leihmutterschaft, das unter dem Titel »Milch und Schuld« im Dezember 2024 am Staatstheater Kassel zur Premiere kam.
Zara Ali (*1995) ist eine Komponistin aus Memphis, USA, die in Deutschland lebt. Ihr genreübergreifender Stil verbindet klassische Idiome mit Elementen aus Heavy Electronica, Hip-Hop und mehr, wodurch lebendige Klanglandschaften entstehen, die sich durch reiche mikrotonale Harmonien und elektroakustische Klangfarben auszeichnen. Zentral für ihre Arbeit ist die Umsetzung struktureller Konzepte wie Geometrie, Kinetik und Temporalität in Klang, was zu Programmen führt, die sowohl klangliche Tiefe als auch konzeptionelle Komplexität erkunden. Ihre Musik wurde in Europa, Nordamerika und Asien aufgeführt, unter anderem im Konzerthaus Berlin, bei der Gaudeamus Muziekweek, dem Impuls Festival für Neue Musik, der cresc. Biennale für aktuelle Musik Frankfurt Rhein Main, dem Royaumont Festival, dem Archipel Festival, dem Tanglewood Festival und dem Seoul International Computer Music Festival. 2025 wird sie zudem beim ECLAT Festival zu erleben sein. Im Jahr 2023 gewann sie den renommierten Gaudeamus Award und auch die »New Scenes VII« der Deutschen Oper Berlin. 2022 erhielt sie den Felix Mendelssohn Bartholdy-Preis im Rahmen des Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerbs, dem ältesten klassischen Musikwettbewerb Deutschlands, sowie den Sonderpreis der Freunde Junger Musiker Deutschland. 2021 erhielt sie das JACK Studio Award-Stipen-
dium des JACK Quartet. 2017 wurde ihr der Robert H. Burns-Preis für Kammermusikkomposition in den USA verliehen.
Zara schloss ihr Bachelor-Studium an der Columbia University in New York ab, wo sie Philosophie, Anthropologie und Musik studierte, und erwarb 2022 ihren Master in Komposition an der Hochschule für Musik Detmold. Von 2022 bis 2023 war sie
Composer-in-Residence der Internationalen Ensemble Modern Akademie. Zudem erhielt sie zahlreiche Stipendien, darunter im Künstlerdorf Schöppingen und im Künstlerhaus Lauenberg in Deutschland.
Katharina Mänz (*1993) ist eine in Leipzig ansässige Künstlerin und Filmemacherin, die an der Schnittstelle von Dokumentarfilm, performativem Theater und experimentellem Video arbeitet. Ihre interdisziplinäre Praxis zeichnet sich durch die Kombination doku-
mentarischer und performativer Erzählstrategien aus, wobei sie besondere Aufmerksamkeit auf die taktilen Qualitäten des Mediums Film sowie die Erweiterung des filmischen Erlebnisses durch innovative, experimentelle Methoden legt. Dabei lässt sich ihre
theoretische Herangehensweise maßgeblich von einer intersektionalen Perspektive der queeren Theorie beeinflussen. Katharina absolvierte ein Bachelor-Studium in Szenischen Künsten mit Schwerpunkt Medien und Theater an der Universität Hildesheim und erwarb 2023 ihren Master- Abschluss in Media Art and Design an der Bauhaus-Universität Weimar. Im Rahmen ihrer Ausbildung sammelte sie internationale Erfahrungen durch Studienaufenthalte am Dundalk Institute of Technology in Irland und an der Concordia University in Montreal, Kanada. Ihre Arbeiten wurden auf zahlreichen internationalen Festivals und Veranstaltungen
präsentiert, darunter die 13. SAR Conference for Artistic Research in Weimar, das Concordia Film Festival in Montreal und das Athens Digital Arts Festival. Katharina war auch Teilnehmerin verschiedener Residenzprogramme, darunter das Artist-in-
Residence-Programm beim Error Art Festival in Dinslaken und eine geförderte Rechercheresidenz des Theaterverbands Thüringen für die freie Szene.




