Cees Nooteboon
Cees Nooteboom, Jahrgang 1933, ein hochgebildeter Mann und großer Erzähler mit wunderbarem Intellekt ist am Mittwoch den 11.02 2026 im Alter von 92 Jahren gestorben.
2012 erschien sein Buch „Briefe an Poseidon.“ Es sind 23 Briefe an einen Gott, der niemals antwortet. Nooteboom war ein gerngesehener Gast bei dem Musik- und Literaturfestival <Wege durch das Land>, das keine andere mit solch einem Herzblut gestalten konnte wie Dr. Brigitte Labs -Ehlert. „Dann, Finale, dirigiert von Brigitte Labs-Ehlert, einer schmalen Frau, vom Dichter Cees Nooteboom nachdrücklich ‚die Chefin’ genannt“, sagt eigentlich alles aus, das die Beiden gut miteinander konnten.
Der Autor, ein moderner Nomade, der wenn er nicht unterwegs in der Welt war, in Amsterdam und auf Menorca lebte, setzt viel an Wissen voraus, wenn man sich auf ihn einlässt. Nooteboom schrieb über Dinge, die ihm begegnen, die er liebt, denkt, fühlt, riecht oder hört. Er verknüpft dabei Orte und Zeiten, Wahrheit und Mythen, Gegenwart und Erinnerungen und versteht es meisterhaft hinter den kleinen Dingen und sei es nur ein Stein die großen Weltfragen zu thematisieren.
Es war eine läppische Papierserviette des Münchner Fischrestaurants Poseidon die Nooteboom zum Briefschreiber an den „Erderschütterer“ Poseidon werden ließ. Teils melancholisch stellt er die Fragen, „ Was ist der Mensch? Was ist mein Leben?“ So fragt er den unsterblichen Meeresgott ob die Götter neidisch auf Menschen seien ob deren Sterblichkeit? „ Einmal im Jahr blicke ich über das Meer,“ so Nooteboom „ und danke dem erschöpften Gott unter Wasser, dem amtsmüden ewig rechnenden Verwalter an seinem Schreibtisch , so sieht Kafka das in seiner Erzählung. Es spielt sich viel ab da unten im Meer und es dauert fast ein ganzes Jahr, bis ein Wal verwest ist,“ fügte der Schriftsteller hinzu.
Auch wenn die Götter nie antworten werden, Cees Nootebooms hätte man öfter einladen sollen, angeboten hatte er es ja.

In seinem Roman <Rituale> legt Nooteboom Zeugnis ab, von der weltschaffenden, welterzeugenden Kraft seines souveränen Erzählens, seiner Fähigkeit, das Sein zum Schein und den Schein zum Sein zu verwandeln. <Habent sua fata libelli> heißt es: Bücher haben ihre Schicksale. Als im Jahre 1991 Cees Nootebooms <Die folgende Geschichte> auftauchten und der Roman auf den Besten- und Bestsellerlisten erschienen wurde dieser niederländische Autor zu einem nicht mehr wegzudenkenden Teil der deutschen Literatur. Aber erst mit seinem von ihm selbst für sein <Opus magnum> bezeichnete Roman <Rituale> ist der Autor so richtig angekommen.
Das Amsterdam der fünfziger, sechziger und siebziger Jahre erscheint hier in der Perspektive von Inni Wintrop. Dieser will Selbstmord begehen in seinem WC, < weil er in seinem Horoskop für<Het Parool>pophezeit hatte, seine Frau werde mit einem anderen durchbrennen, und er, der ja ein Löwe war,würde dann Selbstmord begehen. Es war eine treffende Prophezeiung > . Doch wie das Leben so spielt, der Strick reißt. Mit neuer Aufmerksamkeit , beobachtet er daraufhin die Leute in ihrer Stadt. Er beobachtet die Rtiuale, die Hilfskonstruktionen, mit denen sie versuchen, der verinnenden Zeit, dem Gaukelspiel der Erinnerungen, der persönlichen Geschichte den Anschein des Sinnvollen zu geben. Heiter und melancholisch erzählt Cees Nootheboom von den ausgetüftelten Systemen Arnold Taads und Philip Taads, wenigstens einem Augenblick, einem einzigen Gegenstand wirkliche Bedeutung beizumessen. Das Gelingen dieser Bemühungen ist jedoch identisch mit dem Tod der Protagonisten, so daß Inni am Ende weiß: < Es gab somit unverkennbar zwei Welten: eine, in der die beiden Taads sich aufhielten, und eine, in der sie abwesend waren, und zum Glück befand er sich noch in der letzteren.>
Titelfoto.: Simone Sassen im Buch Allerseelen im Verlag Suhrkamp
Umschlag: Mario Starink




