Konzerte | Hochschule für Musik Detmold würdigt Hans Werner Henze zum 100. Geburtstag
Hochschule für Musik Detmold würdigt Hans Werner Henze zum 100. Geburtstag
Konzerte, Oper, Dokumentarfilm und internationaler Kongress beleuchten Leben und Werk des Komponisten
Mit „Hans Werner Henze_100“ erinnert die Hochschule für Musik Detmold an einen Komponisten, dessen Werk eng mit den politischen, gesellschaftlichen und künstlerischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts verbunden ist. Konzerte, eine Opernaufführung, ein Dokumentarfilm und ein internationaler wissenschaftlicher Kongress beleuchten Hans Werner Henzes Schaffen und seine Bedeutung als Komponist, Dirigent, Autor und Kulturstifter.
Schon bei der Feierlichen Studienjahreseröffnung der Hochschule am 16.10. stand ein Werk Henzes auf dem Programm: „Being Beauteous“ für Koloratursopran, Harfe und vier Violoncelli. Die Komposition basiert auf dem gleichnamigen Gedicht von Arthur Rimbaud und entstand nach Henzes erster USA-Reise im Jahr 1963.
In Henzes Geburtsstadt Gütersloh erklingt am 1.11. um 19.30 Uhr seine Oper „Don Chisciotte della Mancia“. Die Produktion entsteht als Kooperationsprojekt der nordrhein-westfälischen Kunst- und Musikhochschulen. Studierende der Detmolder Gesangsklassen, die bereits bei einer Aufführung in Montepulciano mitgewirkt haben, sind auf der Bühne des Theaters Gütersloh zu erleben. Regie führt Michael Dissmeier, Professor für Szenischen Unterricht und Leiter der Opernschule der HfM Detmold. Das Bühnenbild wurde von Studierenden der Kunstakademie Düsseldorf geschaffen. Henze und sein Librettist Giuseppe Di Leva bearbeiteten Giovanni Paisiellos komische Oper über den berühmten Ritter und ergänzten sie um eine zusätzliche Theaterszene. Die Oper ist eine Veranstaltung des Theaters Gütersloh.
Auch Henzes Leben und Wirken jenseits des Konzertsaals werden thematisiert. Die Journalisten Philipp Quiring und Holger Preusse widmen sich in einem Dokumentarfilm dem Leben und der Wirkungsgeschichte des Komponisten. Der Film wird am 6.11. um 20 Uhr im Kuppelsaal der HfM Detmold gezeigt. Der Eintritt ist frei.
Ein internationaler Kongress bringt am 7. und 8.11. Forscherinnen und Forscher im Musikwissenschaftlichen Seminar Detmold/Paderborn zusammen. Thema sind die historische Einordnung und Neubewertung von Henzes Werk. Dabei geht es nicht nur um seine Rolle als Komponist, sondern auch um seine Tätigkeit als Dirigent und Autor sowie sein kulturpolitisches Wirken und seine politischen und gesellschaftlichen Positionen. Einblicke gibt der Kongress zudem in ein aktuelles Forschungsprojekt des Musikwissenschaftlichen Seminars Detmold/Paderborn: Dort entsteht derzeit eine digitale Ausgabe von Henzes Briefen, die neue Zugänge zu seinem Leben sowie zu seinem weit verzweigten künstlerischen und persönlichen Netzwerk ermöglichen soll.
Ergänzend wird die vollständig erschlossene Privatbibliothek des Komponisten vorgestellt, die 2021 auf Initiative von Prof. Dr. Antje Tumat in die Musikbibliothek Detmold aufgenommen wurde.
Flankiert wird der Kongress von zwei Konzerten. Am 7.11. um 19.30 Uhr präsentiert das Hochschulorchester unter der Leitung von Florian Ludwig Henzes „Requiem“. Als Solisten sind die Detmolder Professoren Alfredo Perl am Klavier und Klaus Bräker an der Trompete zu erleben. Henze verbindet in diesem Werk die traditionelle Form der Totenmesse mit einer ungewöhnlichen musikalischen Besetzung: An die Stelle eines Chores treten neun rein instrumentale Sätze für großes Kammerorchester, Klavier und konzertierende Trompete. Das Werk ist zugleich von persönlichen Erfahrungen und Verlust geprägt und verbindet Trauer und Verletzlichkeit mit Momenten innerer Widerstandskraft.
Zum Abschluss des Henze-Kongresses präsentiert die Banda Vocale am 8.11. um 18 Uhr zwei Werke des Komponisten: „Lieder von einer Insel“ und „Orpheus behind the wire“.
Bildunterschrift: Komponist, Dirigent, Autor und Kulturstifter – die HfM Detmold widmet Hans Werner Henze einen Programmschwerpunkt. (c) Schott Music Production