Via Nova Kunstfest Corvey 2026 – Bericht vom zweiten Wochenende (4.-6.9.)
Nhlanhla Mahlangu und den Komponisten und Percussionisten Tlale Makhene war direkt aus Südafrika gekommen. Thema des Abends: Sklaverei und Kolonialismus. Deren dramatische Auswirkungen beschrieb die erste afroamerikanische Nobelpreisträgerin Toni Morrison in ihrem 1987 erschienenen Roman „Beloved“ (Menschenkind der deutsche Buchtitel). Es geht in ihm um die bitteren physischen und psychischen Auswirkungen der Sklaverei. Auszüge aus dem Roman las und spielte die Schauspielerin Martina Gedeck in einer Textfassung von Brigitte Labs-Ehlert. Die speziell zu diesem Buch entstandenen Songtexte und Kompositionen unter dem Programmtitel „Beloved Concert 2026“ hatten an diesem Abend seine Welturaufführung. Solche rhythmisch mitreißenden, polyphonen, in mehreren afrikanischen Sprachen gleichzeitig gesungenen Songs, solche grandios getanzten, geschrieenen oder gehauchten dramatischen Texte hatte der Saal wohl noch nie erlebt. Die Schlossmauern vibrierten förmlich. Einzelne Sänger rhythmisierten sich immer wieder selbst mit weiten und kräftigen Armbewegungen oder stampfenden Füßen, bis zum Schluß der Abend in einem beschwörenden Rundtanz aller Sänger und Sängerinnen mündete. In ihrer Mitte tanzte und sang Martina Gedeck, als sei sie unter diesen für uns Europäer fremd anmutenden, magischen Tönen und würdevollen Bewegungen aufgewachsen. Das Publikum im ausverkauften Kaisersaal dankte dieser beeindruckenden Performance zur dramatischen Geschichte der Kolonialisation auf dem afrikanischen und amerikanischen Kontinent mit tobendem, nicht endenwollenden respektvollen Applaus. Was für ein Auftakt des zweiten Kunstfest-Wochenendes an diesem Freitagabend!
Am Abend auf Schloß Corvey lasen Luise von Stein und Hanno Koffler von einer ebenso tragischen Liebesgeschichte aus dem 19. Jahrhundert, die sich zwischen Clemens Brentano und Auguste Bußmann zutrug. Das „Requiem für eine romantische Frau“ erzählt vom Dichter und seiner jungen, selbstbestimmten Frau, die bis heute in kaum einer Literaturgeschichte als Ehefrau Brentanos erwähnt wird. Beider Ehe scheiterte an den damaligen Konventionen, nach einer weiteren Ehe und vier Kindern nahm sich Auguste Bußmann das Leben. Die leidenschaftliche „Appassionata“ von Ludwig van Beethoven sowie Klavierstücke von Brahms und Schubert paßten stimmungsmäßig perfekt, vor allem, wenn sie mit solchen klaviervirtuosem Furor vorgetragen wurden wie von Fabian Müller, einem jungen Beethoven-Spezialisten.




