PREMIERE Sa. 26.09.26 / 19:30 Uhr / TAMZWEI
Madonnen
Amanda Lasker-Berlin
Inszenierung Madlene Holtmann Kostüme Hannah Grimme Einheitsbühnenbild Nadin
Schumacher Licht Sebastian Hanneforth Dramaturgie Lisa Brehe-Krokowski
Mit Brit Dehler, Clara Fenchel, Lukas Graser, Petra Wolf
Was bedeutet es heute, eine »Madonna« zu sein? Anna erinnert sich, Isolde nimmt Abschied, Clara wartet auf etwas Glück und Mechthild
liegt wach. Jede steht an einem anderen Punkt ihres Lebens. Während Anna dagegen arbeitet, die Geschichte ihrer Schwester zu vergessen, erkennt Isolde, dass sie ihre verstorbene Mutter nie als Person gesehen hat. Durch den gemeinsamen Verlust schaffen sie und ihre Tochter Clara es endlich, ein ehrliches Gespräch zu führen. Auch Mechthild fühlt sich von ihrem Ehemann nicht gehört. Zweifel werfen Fragen auf, vor denen sie jahrelang die Augen verschlossen hat.
In »Madonnen« erinnern sich die Figuren an ihre Sehnsüchte, Konflikte, Lebenslügen und verpasste Chancen, begegnen darüber Charakteren aus ihrer Vergangenheit und Gegenwart, die sie mit Wahrheiten und Versäumnissen konfrontieren. Über ihre individuellen
Geschichten entfaltet sich ein Panorama weiblicher Lebensrealitäten, in dem man gnadenlos zurückblicken muss, um nach vorne schauen zu können.
Der Aufbau des Stücks zeichnet sich durch eine beinah strenge Form aus. Es gibt, neben drei Erzählsträngen, in denen die Schicksale von vier weiblichen Protagonistinnen verhandelt werden, sogenannte »Madonnen-Chöre«, die die heilige Maria, Sappho und Emily Davison zu Wort kommen lassen. Als historische und mythische Bezugspunkte erweitern sie die individuellen Geschichten um eine überzeitliche Perspektive und verleihen ihnen eine kollektive Dimension.
Konzeptuell verbindet die Inszenierung von Madlene Holtmann Elemente des antiken griechischen Theaters mit popkulturellen Referenzen in Kostüm und Ausstattung (Kostüm: Hannah Grimme). Mithilfe von Livekamera und verschiedenen Spielebenen im
Bühnenraum (Einheitsbühnenbild: Nadin Schumacher) wird dem Motiv der Erinnerung nachgespürt und die Gleichzeitigkeit von Vergangenheit und Gegenwart erfahrbar gemacht.
Das vierköpfige Ensemble (Brit Dehler, Clara Fenchel, Lukas Graser, als Gast Petra Wolf) verkörpert jeweils eine Protagonistin, während die Besetzung der Nebenfiguren kontinuierlich wechselt. Dieser Rollentausch soll deutlich machen, dass kein Kampf isoliert bleibt. Jeder individuelle Schritt zur Selbstbestimmung wirkt über die einzelne Figur hinaus und schreibt sich in eine gemeinsame weibliche Erfahrung ein. So wird sichtbar, dass persönliche Schicksale stets Teil eines größeren Zusammenhangs sind und individuelle Kämpfe eine kollektive Wirkkraft entfalten.
»Madonnen« erzählt nicht von einer Heldin, sondern von vielen Frauen, deren Kämpfe sich über Generationen hinweg spiegeln. Die unperfekten, sanften, sturköpfigen Figuren sind ein Plädoyer für die Selbstbestimmung der Frau – unabhängig von gesellschaftlichen
Stereotypen im Patriachat.
Nächste Termine 29.09., 04.10., 17.10., 23.10., 30.10.; weitere Termine in Planung
Karten T. 0521 51 5454 // www.theater-bielefeld.de
BESETZUNG
Lukas Graser Clara und weitere
Brit Dehler Anna und weitere
Clara Fenchel Isolde und weitere
Petra Wolf Mechthild und weitere
DIE AUTORIN
Amanda Lasker-Berlin (*1994 in Essen) ist Autorin, Theaterregisseurin und bildende Künstlerin. Sie studierte Freie Kunst, Regie sowie Literarisches Schreiben. Mit ihrem Debütroman »Elijas Lied« (2020) wurde sie unter anderem mit dem Debütpreis der
lit.COLOGNE ausgezeichnet. In ihren Romanen und Theatertexten beschäftigt sie sich mit weiblichen Lebensrealitäten, queeren Perspektiven, Erinnerungskultur sowie Fragen von Idendität, Ausgrenzung und Selbstbestimmung. Nach »Ich, Wunderwerk und how
much I love disturbing content« (2023) ist »Madonnen« nun das zweite Werk der Autorin das am Theater Bielefeld inszeniert wird.
»Madonnen« wurde 2024 als Auftragswerk am Theater Ulm uraufgeführt.
DIE REGISSEURIN
Madlene Holtmann (*1998) ist gebürtige Bielefelderin und dem Theater Bielefeld seit ihrer Jugend verbunden. Ihre Theaterlaufbahn begann im Jugendclub und ähnlichen Formaten (zunächst als Spielerin, später als Regisseurin). Darauf folgte die Arbeit als Souffleuse, die Leitung von Workshops und noch mehr Jugendarbeit – u.a. als Leiterin eines short-acts unter dem Format »Junge Regie« auf dem »Bundestreffen Jugendclubs an Theatern« 2023. Neben dem Studium der Germanistik und der klinischen Linguistik hat sich herauskristallisiert, dass sie ihre berufliche Zukunft am Theater sieht und dort in die Praxis einsteigen möchte. Ihr Interesse gilt seither nicht nur dem Schauspiel, der Theaterpädagogik und der Sprecherziehung, sondern insbesondere der Regie. Seit 2024 ist sie am Theater Bielefeld als Regieassistentin in der Sparte Schauspiel engagiert. Mit »Madonnen« von Amanda Lasker-Berlin bringt sie ihre erste Produktion als Regisseurin im Rahmen des offiziellen Spielplans zur Premiere.PREMIERE Sa. 26.09.26 / 19:30 Uhr / TAMZWEI




