THIS IS THE MODERN WORLD
Durchbrüche in der Kunst
1900–1960
4. September 2026 bis 30. Mai 2027
Mit THIS IS THE MODERN WORLD. Durchbrüche in der Kunst 1900–1960 zeigt die Hamburger Kunsthalle eine Neuinterpretation ihrer Sammlung Moderne, die zu den bedeutendsten Sammlungen moderner Kunst in Deutschland zählt. Anhand von über 150 ausgewählten Gemälden, Skulpturen, Grafiken und Zeichnungen – darunter bekannte Highlights und besondere Neuzugänge – verdeutlicht die Präsentation die Fülle an neuen Ideen und Ansätzen sowie den Bruch mit bestehenden Traditionen in der Kunst dieser sechs Dekaden, die von außergewöhnlichen Umwälzungen in Kultur und Gesellschaft geprägt war. Vermittelt wird die Vielgestaltigkeit der Ansätze innerhalb der verschiedenen Strömungen der Moderne. Dazu zählen ikonische Werke des Expressionismus wie von den Künstlergruppen
Brücke und Der Blaue Reiter mit Ernst Ludwig Kirchner und Wassily Kandinsky, so wie von Maler*innen der École de Paris wie Georges Braque und Pablo Picasso. Zu sehen sind Positionen der Pionier*innen der frühen Moderne wie Edvard Munch, Paula Modersohn-Becker, Lovis Corinth, Max Beckmann und Anita Rée. Ebenfalls vertreten sind Beispiele der Abstraktion zwischen den Weltkriegen unter anderem
von Sophie Taeuber-Arp, des Surrealismus von René Magritte, der Neuen Sachlichkeit von Christian Schad sowie des Informel der Nachkriegszeit von Wols. Die Neuhängung zur Moderne umfasst zehn umgestaltete Räume innerhalb des Museumsrundgangs durch acht Jahrhunderte Kunst. Die chronologische Präsentation wird durch zeit- und ortsübergreifende thematische Gruppierungen von Werken
bereichert, die neue Zugänge zu dieser revolutionären Zeit ermöglichen. Die Arbeiten thematisieren neue Stile von Abstraktion und Darstellung sowie sich wandelnde Verständnisse von Natur und Technik, Gesellschaft und menschlicher Existenz, beeinflusst von Psychologie, Philosophie und Politik – einschließlich der NS-Ideologie. Eine Galerie zu Hamburger Künstler*innen ergänzt die internationale Moderne um regionale Perspektiven – etwa mit Hafen- und Stadtansichten.
Im Verlauf der Schau bieten wechselnd präsentierte Zeichnungen und Drucke des Kupferstichkabinetts nähere Einblicke in Arbeitsmethoden der Künstler*innen. Als Highlight werden jüngste Schenkungen und bedeutende Neuerwerbungen, wie unter anderem das 2025 erworbene Schlüsselwerk des Surrealisten René Magritte Le palais de rideaux (Der Palast der Vorhänge), 1928, präsentiert. Max Beckmann (1884–1950) und Anita Rée (1885–1933) dienen als Leitfiguren der Ausstellung, mit zusammen rund 20 vertretenen Werken. Die zwei Zeitgenoss*innen gelten durch ihre stetige formale Weiterentwicklung und ihre provokanten Ideen als Paradebeispiele moderner Künstler*innen. Von Beckmann wird unter anderem die bisher teuerste Erwerbung in der Geschichte der Hamburger Kunsthalle gezeigt: Selbstbildnis Florenz (1907) mit dem jungen Künstler, als er noch am Anfang eines Prozesses der Selbstinszenierung stand, die in seiner Karriere viel fältige Formen annahm. In einer räumlich direkten Gegenüberstellung blickt Rée zu Beckmann, durch ihr Selbstbildnis in Hittfeld (1904), aus der ebenso anfänglichen Karrierezeit, als sie privaten Malunterricht in der Nähe ihrer Heimatstadt Hamburg nahm. Zusammen mit dem Selbstbildnis auf Pantelleria aus den Jahren 1924/25, das auf den inneren Aufruhr der jüdischen Malerin hinweist, die 1933 angesichts der Naziverfolgung Suizid beging, werden diese Werke mit einer ganzen Reihe weiterer auffällig divergenter Porträts
zusammengebracht, die kompakt gehängt an einer Ausstellungswand ein dichtes Tableau vielfältiger Geschichten aus dem Leben bedeutender moderner Meister*innen erzählen. Dazu gehört unter anderem Karl Kluths Selbst mit Melone (1924), das den Künstler als zerzausten Bohemien an seiner Staffelei mit einer lässig getragenen Melone zeigt.

Bildnis Hildegard Heise, 1927
Öl auf Leinwand, 40,6 x 35,6 cm
Hamburger Kunsthalle
© Hamburger Kunsthalle / ARTOTHEK
Foto: Elke Walford
Das Begleit- und Vermittlungsprogramm umfasst neben verschiedenen Gruppen-Führungsformaten auch Audiotouren auf Deutsch und Englisch, in Leichter Sprache sowie eine Tour für Neugierige ab 8 Jahren. Zu ausgewählten Kunstwerken bieten zudem Werk- und Herkunftstexte weitere Informationen vor Ort in der Schau. Eine Kindercomic-Veranstaltung (13. September) präsentiert das aktuelle Buch von Andrea Offermann mit der wahren Geschichte von Wilhelm Werner, der als Hausmeister der Kunsthalle »entartete Kunst« bzw. Gemälde vor dem Zugriff durch die Nationalsozialisten rettete, die heute Teil der Präsentation sind. Die Abendveranstaltung SALON X THIS IS THE MODERN WORLD (26. November) für (junge) Erwachsene bringt neue Impulse mit Live-Musik, Performances und queeren Perspektiven ein. Im Frühjahr 2027 erscheint eine Publikation zu ausgewählten Werken der Sammlung Moderne im Rahmen der Kleinen Reihe – erhältlich im Museumsshop oder über www.freunde-der-kunsthalle.de.
Erstmalig präsentiert die Hamburger Kunsthalle mit THIS IS THE MODERN WORLD die »Moderne« nicht mehr unter dem Etikett »Klassische Moderne«, mit der üblicherweise Kunst zwischen 1900 und 1960 von den nachfolgenden »zeitgenössischen« Werken in Museen unterschieden wird. Dies weist zudem auf die zukünftige Ausrichtung hin, die sich mehr einer globalen Geschichte der Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts widmet und sich von dem bisher überwiegend europäischen Fokus löst. Das Engagement der Hamburger Kunsthalle für die Sammlung »Moderne« besteht seit der Eröffnung 1869. Vor allem der zweite Direktor Gustav Pauli sammelte ab 1914 in größerem Umfang Werke moderner Künstler*innen, sicherte dem Museum damit eine Reihe zentraler Arbeiten und etablierte feste Säle für ihre Präsentation. Wegen seines Engagements wurde er im September 1933 von den Nationalsozialisten
entlassen – 1937 ging dem Haus fast der gesamte Bestand an moderner Malerei durch die Beschlagnahmung verloren. Carl Georg Heise (ab 1945) unternahm große Anstrengungen, um diesen schweren Verlust mit Erwerbungen auszugleichen und die ehemals verfemte Kunst zu rehabilitieren. Den Wiederaufbau der Sammlung Moderne setzte Alfred Hentzen ab 1955 fort und ergänzte Werke, die die Entwicklungen der Nachkriegszeit widerspiegeln. Seit den 1970er Jahren erweitern Ankäufe, Schenkungen, Vermächtnisse und dauerhafte Leihgaben aus Privatbesitz weiterhin sukzessive den Werk-Bestand dieser bahnbrechenden Periode der Kunst.
Kurator: Toby Kamps (Leitung & Ausstellungskurator Moderne) | Wissenschaftliche Volontärin: Angelina Isaak
Gefördert von: THIS IS THE MODERN WORLD
Titelbild:





