PREMIERE Sa. 12.09.26 / 19:30 Uhr / Stadttheater
Hamlet
William Shakespeare
Inszenierung Dariusch Yazdkhasti Bühne Julia Hattstein Kostüme Rahwa Oreyon Video Konrad Kästner Licht Carsten Lenauer Dramaturgie Kerstin Car Mit Christine Diensberg, Nicole Lippold, Anouk Piwek, Alexander Stürmer, Thomas
Wehling, Thomas Wolff, Faris Yüzbaşıoğlu
Mit freundlicher Unterstützung der Theater- und Konzertfreunde Bielefeld Kaum ein Stück wurde seit seiner Uraufführung so häufig inszeniert wie Shakespeares Theaterklassiker »Hamlet«. Entstanden um 1600, zur Hochzeit des Elisabethanischen Zeitalters und der Renaissance, feierte »Hamlet« 1602 seine Uraufführung durch die Lord Chamberlain’s Men, der Theaterkompanie, deren Anteilseigner gleichzeitig Hausautor war: William Shakespeare. Seitdem gab es unzählige Inszenierungen von »Hamlet« mit unzähligen geisterhaften Erscheinungen, Intrigen, Racheplänen, Mausefallen, Morden und tragischen Ausgängen. Denn obwohl das Stück bereits über 420 Jahre alt ist, bleibt die Tragik, die es beschreibt, zeitlos aktuell.
Prinz Hamlet, der sein humanistisches, weltdurchdringendes Studium in Wittenberg genießt, erfährt, dass sein Vater verstorben ist. Unverzüglich kehrt er an den dänischen Königshof nach Helsingör zurück – doch die Umstände, die er dort vorfindet, sind für den trauernden Hamlet be drückend. Anstatt den Tod ihres Mannes zu betrauern, feiert
Mutter Gertrud bereits Hochzeit mit ihrem Schwager Claudius, der von nun an die Staatsgeschäfte führt. Hamlets Weltverlust lässt ihn in ein tiefes Loch fallen. Er zweifelt nicht nur die Motive von Claudius und seiner Mutter an, sondern auch die des gesamten Hofstaats. Da erscheint ihm der Geist des toten Vaters und fordert, seinen Tod zu
rächen – denn der alte Hamlet starb nicht auf natürliche Weise, er wurde ermordet. Von Rachegedanken, verzehrender Trauer und tiefer Verunsicherung getrieben macht sich Hamlet ans Werk, um diese aus den Fugen geratene Zeit wieder einzufangen – gewillt, alle Kollateralschäden, die dabei entstehen, zu akzeptieren.
Als großer Klassiker der Theatergeschichte verhandelt »Hamlet« seit Jahrhunderten eine der existenziellsten Fragen der Menschheitsgeschichte: Was tun, wenn uns die Welt, wie wir sie kennen, abhandenkommt? Regisseur Dariusch Yazdkhasti geht dieser Frage in seiner Inszenierung zusätzlich durch die Videoeinspieler von Konrad Kästner nach. Die
unmittelbare Zeugenschaft dieses Weltverlusts wird auch durch die Bühne von Julia Hattstein hervorgehoben: durch eine Zuschauertribüne auf der Bühne wirken die Spieler*innen wie in eine Arena geworfen, in der die Fragen Sein oder Nicht-Sein,
Handeln oder Nicht-Handeln, Denken oder Wissen ausgefochten werden, während die historisch anzitierten Kostüme von Rahwa Oreyon die Zeitlosigkeit des Stoffes unterstützen.
Das siebenköpfige Ensemble, angeführt von Nicole Lippold als Hamlet, besteht aus Thomas Wolff (Claudius), Christine Diensberg (Gertrud), Thomas Wehling (Polonius), Alexander Stürmer (Horatio / Rosenkranz), Anouk Piwek (Ophelia) und Faris Yüzbaşıoğlu (Laertes / Güldenstern).
Nächste Termine 19.09. / 25.09. / 29.09. / 01.10. / 11.10. / 16.10. / 18.10. / 22.10. /
30.10. / weitere Termine in Planung Karten T. 0521 51 5454 // www.theaterbielefeld. de
INSZENIERUNG
Dariusch Yazdkhasti, 1973 in Krefeld geboren und dort sowie im Iran aufgewachsen, studierte zunächst Philosophie und Kunstgeschichte in Köln und wechselte dann zum Studiengang Schauspielregie an die Universität Hamburg. Er war Stipendiat des internationalen Forums des Berliner Theatertreffens und belegte an der LMU die Weiterbildung
Theater- und Musikmanagement. Seit 1997 entstanden zahlreiche Regiearbeiten. Er arbeitete u.a. an der Studiobühne Köln, dem FFT Düsseldorf, Kampnagel Hamburg, am Thalia Theater, in Osnabrück, Heidelberg, am Staatstheater Mainz, am Staatstheater Braunschweig, am Staatstheater Kassel und am Theater Kiel, wo er auch ab 2009 als
Hausregisseur tätig war.
Mit Beginn der Spielzeit 2018/19 wurde er Hausregisseur am Theater Bielefeld, mit dem ihn eine langjährige Zusammenarbeit verbindet. Seit der Spielzeit 2021/22 ist er hier Schauspieldirektor. Seine Inszenierung von »Konstellationen«, die 2017 zum NRWTheatertreffen eingeladen wurde und den Preis für die beste Inszenierung sowie den Publikumspreis erhielt, war sieben Jahre auf dem Spielplan. Zuletzt inszenierte Dariusch Yazdkhasti in Bielefeld u. a. die Romanadaptionen »Ellbogen« von Fatma Aydemir, »Text« von Dmitry Glukhovsky, »Neujahr« von Juli Zeh und »Mephisto« von Klaus Mann, die Weihnachtsmärchen »Aladin und die Wunderlampe« und »Pinocchio«, die Uraufführung von Dominik Buschs »Deinen Platz in der Welt«, »Stolz und Vorurteil*(*oder so)«, Florian Zellers »Vater«, Schillers »Kabale und Liebe«, Shakespeares »Was ihr wollt«, Thomas Köcks »antigone. ein requiem«, »Rosige Aussichten« von Bess Wohl und – gemeinsam mit Konrad Kästner – »Nathan der Weise« sowie Goethes »Reineke Fuchs« und Falladas »Kleiner Mann, was nun?«.
PREMIERE Fr. 18.09.2026 / 20:00 Uhr / Theater am Alten Markt
Die Legende von Sleepy Hollow
Philipp Löhle nach Washington Irving
Inszenierung Hanna Müller Bühne, Kostüm, Video Sebastian Ellrich Licht Mario Turco Musik Felix Weigt Dramaturgie Ralph Blase Mit Georg Böhm, Güzide Çoker, Crispin Hausmann, Stefan Imholz, Carmen Priego,
Ungefähr im Jahr 1806 im noch jungen Staat New York: Ichabod Crane ist unterwegs auf Bildungsmission nach Sleepy Hollow. Der Kutscher weiß: »Die Leute da glauben die irrwitzigsten Sachen … es wimmelt von Hexen und bösen Geistern.« Vom ersten Moment an versuchen die Bewohner*innen, Crane zu vergraulen. Sie geben ihm ein Zimmer, in dem sein Vorgänger gewohnt hat, bevor er spurlos verschwand. Nachts soll das Atmen von Leichen zu hören sein. Gegen das Übernatürliche setzt Crane: »Es gibt Dinge, die wirken unerklärlich und übermenschlich, aber eigentlich fußt alles auf den Naturgesetzen.« Doch Crane gerät in den Sog immer mysteriöser werdender Ereignisse. Nachdrücklich wird er vor dem Hauptgespenst der Gegend – dem kopflosen Reiter – gewarnt, der einen Ersatz für seinen verlorenen Kopf sucht.
Kopflose Reiter, wie in Washington Irvings Erzählung, sind ein beliebtes literarisches Motiv. Populär ist der Stoff durch die Verfilmung von Tim Burton aus dem Jahr 1999. Mit witzigen Dialogen, schrägen Figuren und Gruselspannung lässt Philipp Löhle den rational denkenden Crane gegen die Bewohner*innen und deren Fortschrittsverweigerung
antreten.
Washington Irving gilt mit seinen Geschichten als ein Begründer der literarischen Form der Kurzgeschichte in der US-amerikanischen Literatur. Als literarische Inspiration Irvings werden u. a. die »Legenden vom Rübezahl« von Johann Karl August Musäus und die Ballade »Der wilde Reiter« von Gotfried August Bürger angenommen, die der Autor
mutmaßlich bei längeren Aufenthalten in Europa kennenlernte.
Literarisch steht auch Löhles »Die Legende von Sleepy Hollow« dem Genre der Schauerliteratur nah. Wobei sich bei solchen Genrebezeichnungen immer die Frage anschließt, was mit ihnen gemeint ist. Laut dem »Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte« ist der Schauerroman ein Genre der Spätaufklärung, das die Erregung von Angst und
Grauen durch wiederholte Begegnungen mit dem (vermeintlich) Übernatürlichen anstrebe. Wobei im Schauerroman das fiktional dargestellte Übernatürliche nicht als fraglos geltende Wirklichkeit hingenommen werde. Das Übernatürliche werde wie ein unerwarteter Einbruch in eine als erklärbar eingeschätzte Wirklichkeit gestaltet. Im Blickpunkt stehe die Wirkung auf die Psyche der Figuren und Leser. Diese Beschreibung ist in Bezug auf »Die Legende von Sleepy Hollow« anschlussfähig. Die Wirklichkeitsauffassung von Ichabod Crane sieht sich nicht nur mit der Behauptung der Bewohner*innen konfrontiert, es passierten übernatürliche Dinge (Kopfloser Reiter etc.), sondern auch
mit deren Reaktion auf Bildung, der sie sich schlicht verweigern.
Die Inszenierung geht u. a. auf die Merkmale und Inhalte der Vorlage ein, indem sie (vermeintliche) Realität, Traum und Täuschungen übereinanderlegt. Zwischen Crane und den Bewohner*innen entsteht ein Ringen um Wahrheit oder das, was dafür gehalten wird. Dadurch schwingt bei »Die Legende von Sleepy Hollow« letztendlich auch eine
aktuelle gesellschaftspolitische Dimension mit, frei nach dem Motto: Wahrheit ist, was am intensivsten behauptet werden kann!
Die Regisseurin Hanna Müller inszenierte bereits 2012 »Das Interview« von Theo van Gogh am Theater Bielefeld. Sebastian Ellrich war zuletzt in Bielefeld für die Bühne des Musicals »Anastasia« verantwortlich. Ein Bielefeld-Debüt gibt es für Crispin Hausmann, der als Absolvent des aktuellen Abschlussjahrgangs des Max Reinhardt Seminars, Wien,
neu im Ensemble der Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld ist.
Nächste Termine 24.09. / 26.09. / 27.09. / 30.09./ 02.10. / 04.10. / 07.10. / 24.10. /
29.10. / 30.10. / weitere Termine sind in Planung
Karten T. 0521 51 5454 // www.theater-bielefeld.de
INSZENIERUNG
Hanna Müller wurde 1983 in Ostfriesland geboren. Sie studierte Schauspielregie an der Theaterakademie Hamburg und assistierte in dieser Zeit regelmäßig am Schauspielhaus Hamburg. Nach dem Studium war sie zwei Jahre Regieassistentin am Schauspiel Hannover. Seitdem arbeitet sie als freie Regisseurin im deutschsprachigen Raum unter
anderem am Staatstheater Dresden, am Theater Bonn, am Hessischen Staatstheater Wiesbaden, am Theater Freiburg und am Theater Basel. Drei ihrer Inszenierungen wurden zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen und ihre Inszenierung von »In dir schläft ein Tier« von Oliver Schmaering zu den Mülheimer Theatertagen 2018. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut inszenierte sie am Jungen Theater Rostov am Don und gab mehrere Theaterworkshops in Phnom Penh, Kambodscha. Außerdem erarbeitet sie regelmäßig Theaterprojekte mit Jugendlichen.
BESETZUNG
Stefan Imholz Ichabod Crane
Crispin Hausmann Der Kutscher, Ickebin Niemand und Brom Bones
Georg Böhm Reverend Steenwyk und Benjamin Steenwyk
Carmen Priego Lady van Tassel und Katrina van Tassel
Güzide Çoker Hans van Ripper und Maitje van Ripper
Die Soldade:
Carmen Priego (De Offizier), Crispin Hausmann (De Feldkoch), Güzide Çoker (De Soldad
Günter), Stefan Imholz (De Soldad Schmiddel), Georg Böhm (De Hessi James)




