Via Nova Kunstfest Corvey 2026
28.8. bis 30.8. / 4.9. bis 6.9. / 11.9. bis 13.9.
auf Schloss Corvey
Das Motto in diesem Jahr ist:
„Tout Moun Se Moun“
„Tout Moun Se Moun“ („Jeder Mensch ist Mensch“) war aufklärerischer und emanzipatorischer Leitspruch der haitianischen Revolution. Wir sind alle gleich vor dem Gesetz, kein Menschenleben ist wichtiger als ein anderes. Dieses Motto ist auch für das diesjährige Kunstfest zum Leitbild geworden. In seinen Lesungen, Konzerten und Dialogen
erkundet es sehr aktuell: Wie kann der Mensch in Zeiten von Krieg und ungewisser Zukunft menschlich bleiben? Wie kann eine Gesellschaft ein Leben in Würde für alle schaffen?
Dazu sagt die künstlerische Leiterin, Dr. Brigitte Labs-Ehlert: „Diese Fragen stellen sich in der Gegenwart und der Vergangenheit und waren immer mit Freiheit, Aufbruch, einem Denken über alle Grenzen hinweg, mit Träumen, Phantasie und Staunen verbunden. Jede Epoche findet dafür einen entsprechenden Ausdruck.“
Am Beispiel vor allem bedeutender Frauen aus unterschiedlichen Epochen führt das Via Nova Kunstfest „den Wert von Bildung und gesellschaftspolitischem Engagement als Ausdruck von Freiheit und persönlicher Verantwortung vor Augen“, schreibt die Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Ina Brandes, in ihrem Grußwort.
Für die Generalsekretärin der Kunststiftung NRW, Andrea Firmenich, gehört das Kunstfest Via Nova zu einem der wichtigsten Ereignisse im kulturellen Leben in OWL. Es eröffnet einen „Raum des gemeinsamen Nachdenkens über die drängenden Fragen unserer Zeit, der uns, seine Gäste, zur aktiven Teilhabe einlädt. Denn Via Nova ist immer mehr als
eine vorgefertigte Präsentation hochkarätiger Literatur und Musik. Es ist ein Laboratorium des forschenden Geistes, in dem auch das Unerwartete dazugehört und Widersprüche willkommen sind.“ Für sie ist es ein staunenswertes Kunststück, dass sich das Festival jedes Jahr aufs Neue liebevoll und behutsam mit dem kulturellen Erbe des Klosters Corvey auseinandersetzt, indem es Corvey mit Literatur und Musik belebt.
Hinzugekommen sind neue Veranstaltungsformate. Neben Monologen und Dialogen, szenischen Lese-Theaterabenden mit Texten aus Briefen, Beschreibungen, Lyrik, Romanen und mit Musik aus unterschiedlichen Epochen, Genres und Weltgegenden gibt es erstmals Korrespondenzlesungen und drei Exkursionen zu mit Corvey verbundenen Stätten. In den Korrespondenzlesungen betrachtet ein zeitgenössischer Autor jeweils das Werk eines Autors der Literaturgeschichte. Die Veranstaltungen im Kloster Brunshausen, im Stift Fischbeck und im Kloster Hardehausen sind jeweils mit einer Führung verbunden.
Das Kunstfest spannt an den drei Wochenenden einen breiten zeitlichen Bogen. Die Schauspieler, Autoren und Musiker führen zurück bis ins 9. Jahrhundert, als der Corveyer Mönch Agius in seiner Lebensgeschichte der ersten Äbtissin von Gandersheim, Hathumoda, ihre Sanftmut und Bescheidenheit beispielhaft hervorhob. Sie erzählen von der berühmten
Nonne Heloïse und ihrer freien Liebe zu Abaelard, berichten von Christine de Pizan, die eine Frauenstadt voller Gerechtigkeit, Vernunft und Rechtschaffenheit plant, lesen aus Romanen von Anna Seghers („Die Hochzeit von Haiti“), Emily Brontë („Sturmhöhe“) und Toni Morrison („Beloved“), sie sprechen den faszinierenden Monolog der Molly Bloom aus Joyces „Ulysses“ und philosophische Texte. Mit Texten zeitgenössischer Lyrikerinnen kommen sie schließlich
in der Gegenwart an.
In den korrespondierenden Konzerten erklingt Musik u.a. von Bartók, Beethoven, Hildegard von Bingen, Brahms, Desprez, Dvořak, Messiaen, Mozart, Palestrina, Pärt, Satie, Schumann und Weill. Erstmals dabei ist das südafrikanische Musik-Ensemble um Nhlanhla Mahlangu, der vielfach mit William Kentridge zusammenarbeitete, mit einer faszinierenden Uraufführung „Beloved Concert 2026“.
Wir freuen uns in diesem Jahr auf viele renommierte internationale Künstler, darunter die Schauspielerinnen und Schauspieler Martina Gedeck, Katharina Thalbach, Marina Galic, Barbara Nüsse, Andrea Sawatzki, Johanna Wokalek, Jens Harzer, Martin Wuttke, Ulrich Noethen, die Autorinnen und Autoren Anja Kampmann und Marcel Beyer sowie die
Musikerinnen, Musiker, Sängerinnen, Sänger und Ensembles Alice Sara Ott, Michael Barenboim, Nils Mönkemeyer, Valer Sabadus, The Tallis Scholars, das Kronos Quartet und das Detmolder Kammerorchester.
.Via Nova Kunstfest Corvey 2026
Zu den einzelnen Wochenenden:
Eingeleitet wird das erste Wochenende (28.-30.8.26) mit der Eröffnungsrede von Anja Kampmann, die von der besonderen Kraft der Literatur berichtet: „Sowohl im Erzählen als auch im Schreiben und im Lesen von Gedichten und Prosa formt sich ein Blick auf die Welt, der nicht nur offen für die Wunden der Zeit ist, sondern auch die Schönheiten
benennen kann … Ich glaube, dass wir manchmal in der Literatur etwas finden, eine Intensität, für die wir im Alltag keine Kraft haben.“ Die Brüder Elad Navon, Klarintte, und Itai Navon, Klavier, spielen Werke von Messiaen, Schumann und Mozart.
In der von Martin Wuttke gelesenen Erzählung „Die Hochzeit von Haiti“ von Anna Seghers geht es um die haitianischen Revolution, in der für einen Moment Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit Wirklichkeit wurden. Das renommierte Kronos Quartett baut in seinem eigens für Corvey zusammenstellten Programm Brücken von traditioneller Musik über Laurie Anderson bis hin zu einer Komposition der Isländerin Hildur Gudnadóttir, die Sehnsucht nach Menschlichkeit gegenüber Flüchtlingen ausdrückt.
Katharina Thalbach verknüpft in ihrer Exkursions-Lesung im Kloster Brunshausen die Lebensgeschichte der ersten Stiftsäbtissin Hathumod mit Gedichten von Hilde Domin, bei beiden verbinden sich tiefe Menschlichkeit mit der Liebe zum Leben. Die Sänger vom Ensemble Graindelavoix bieten mit ihrem Programm „Ex nihilo“ Gesang jenseits der Ordnung der Dinge. Führungen durch den Hathumod-Garten und die Kloster- und Schlossanlage ergänzen das Programm.
Texte von Gertrud Kolmar, Else Lasker-Schüler und der Philosophin Simone Weil wird Andrea Sawatzki lesen, der Bratschist Nils Mönkemeyer und der Pianist William Youn spielen dazu Kompositionen von Dietrich, Schumann und Brahms.
In der Korrespondenzlesung stellt der Autor Marcel Beyer seine Gedanken zum Tagebuch des litauischen Autors und Filmemachers Jonas Mekas vor. Für Mekas war die Menschenwürde in Büchern gespeichert. Sie halfen ihm als Displaced Person die Zeit des Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit zu überstehen. Der Burgschauspieler Michael
Maertens liest aus dem Tagebuch von Mekas. Der Geiger Michael Barenboim erfüllte sich einen Traum, als er vor wenigen Jahren das Nasmé Ensemble ins Leben rief: Musiker und Musikerinnen aus Palästina, die Kompositionen ihrer Heimat mit klassischer Kammermusik verbinden.
Das zweite Wochenende (4.-6.9.26) beginnt mit einem ganz besonderen, für Corvey neuartigen Konzert. Mitglieder der südafrikanischen Song and Dance Work Company unter der Leitung von Nhlanhla Mahlangu bringen ihre extra für Corvey erarbeitete Komposition „Beloved Concert 2026“ mit. Die außergewöhnlichen Arbeiten des visionären
Theatermachers, Komponisten und Performers wurden weltweit gezeigt, u.a. arbeitete er wiederholt mit William Kentridge zusammen. Martina Gedeck liest aus Toni Morrisons Roman „Beloved“, in dem es um die Übersehenen und Ausgegrenzten geht, die bei Morrison jedoch nie ihre Würde und Menschlichkeit verlieren. Das „Beloved Concert 2026“ lässt sich von diesem Meisterwerk inspirieren und verwebt es mit der Geschichte Südafrikas. Einer der Höhepunkte des diesjährigen Kunstfestes.
Im Exkursionsort Stift Fischbeck lesen Marina Galic und Jens Harzer im eingespielten Dialog die berühmten Liebesbriefe von Heloïse und Abaelard. Die phantastischen Sänger von The Tallis Scholars sind mit Kompositionen von Hildegard von Bingen, Palestrina und Arvo Pärt zu hören. Eine Führung durch das Stift mit seinen Gärten schließt sich an.
Luise von Stein und Hanno Koffler lesen, ebenfalls im Duo, aus dem „Requiem für eine romantische Frau. Die Geschichte von Auguste Bußmann und Clemens Brentano“, einer Liebesgeschichte, die zu einem Kampf wurde. Dazu spielt Fabian Müller auf dem Klavier Stücke von Brahms, Schubert und Beethoven.
Der Lyriker Nico Bleutge stellt in seiner Korrespondenzlesung die große amerikanische Zukunftsforscherin Ursula K. Le Guin anhand ihrer Kurzgeschichten vor, die von Ulrich Noethen gelesen werden. Begleitet wird die Lesung von Alban Gerhardt am Cello und Markus Becker am Klavier.
Das dritte Wochenende (11.-13.9.26) beginnt mit dem grandiosen Solo der großen Theaterdame Barbara Nüsse. Extra für Corvey führt sie noch einmal das letzte Kapitel aus „Ulysses“ auf. Der Monolog der Molly Bloom, ein nicht enden wollender Gedankenstrom ihrer weiblichen Erfahrungen mit Liebe, Lust und Männern, begründete den Weltruhm des
Werkes von James Joyce.
Im Kloster Hardehausen, zu dem die letzte Exkursion führt, liest Constanze Becker aus Christine de Pizans Utopie einer Stadt, die allen hochherzigen und rechtschaffenen Frauen, unabhängig von sozialer Herkunft oder ererbtem Stand, Schutz und Bildung bieten soll. Die Schriftstellerin, Philosophin und politische Denkerin aus dem 14. Jahrhundert schrieb mit ihrem „Buch von der Stadt der Frauen“ einen Klassiker der Weltliteratur. Das Ensemble HfM
Percussion und das Detmolder Kammerorchester werden mit einer Ballettmusik von Shchedrin für Streichorchester und 47 Schlaginstrumente begeistern.
Aus Emily Brontës Roman „Sturmhöhe“, einem düster-romantischen Werk um Liebe und Rache und vielleicht eine der schönsten und zugleich abgründigsten Liebesgeschichten der Weltliteratur, liest Saskia Rosendahl. Mit ihrer beeindruckenden Technik und sensiblen Musikalität gehört die deutsch-japanische Pianistin Alice Sara Ott zu den weltweit führenden Interpreten. Sie ist mit Stücken von Field und Beethoven zu hören.
Das Kunstfest beschließt Johanna Wokalek mit Gedichten und Miniaturen an ferne Geliebte von Louise Labé bis Kae Tempest. Der international gefeierte Countertenor Valer Sabadus und das Ensemble SPARK lassen Kompositionen unter dem Titel „Closer to Paradise“ erklingen, die Sehnsucht in ein Klangerlebnis übersetzen.
Das Via Nova Kunstfest Corvey fand erstmalig 2018 statt und zieht jährlich mehrere tausend Besucher an, die zu einem Drittel aus ganz Deutschland anreisen.
INFORMATIONEN zum gesamten Via Nova Kunstfest Corvey unter www.corvey.de
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Künstlerische Leitung: Brigitte Labs-Ehlert, Tel. +49 (175) 2133207, labs-ehlert@corvey.de
Öffentlichkeitsarbeit: Cornelia Jentzsch, Tel. +49 (172) 3043243, vianova.kunstfestcorvey@email.de
Karten: Thomas Trappmann www.corvey.de (mit link zu den Bestellformularen)
Tel. +49 (52 31) 57 01 50, vianova@corvey.de
Anfahrt: Corvey 1, 37671 Höxter





