Fallada

du geheimnisvolles Pferd.
Das Märchen „Die Gänsemagd“ ist in der Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm zu finden.
Die Gastwirtstochter Dorothea Viehmann aus Niederzwehren bei Kassel erzählte es einst den Brüdern. Sie entstammte einer Hugenottenfamilie. Ob es eine uralte Geschichte aus Frankreich war?
Eine Königinwitwe schickt ihre Tochter zur Hochzeit mit dem Königssohn eines fernen Reiches. Eine Magd zu ihrer Begleiterin und mit ausreichend Proviant soll für die Reise der Königstochter Begleiterin sein.
Ebenso zwei Pferde, deren eines Fallada heißt und sprechen kann.
Zu guter Letzt wird ein Tuch mit drei sprechenden Tropfen Blut von der Mutter zum Schutz vor Gefahren mitgegeben.
Unterwegs weigert sich die Magd der Königstochter zu Diensten zu sein. Sie muss sich zum Trinken über einen Bachrand beugen und verliert dabei das Tuch, wodurch sie schwach und machtlos wird. Daraufhin zwingt die Magd die Prinzessin die Kleider und Pferde zu tauschen. Die Königstochter muss schwören, niemandem etwas vom Tausch zu verraten.
Angekommen beim Königssohn wird die Magd als Braut empfangen und die Prinzessin mit einem Jungen namens Kürdchen zum Gänsehüten geschickt.
Die falsche Braut lässt Fallada wegen angeblichem Ungehorsam köpfen, aus Furcht das sprechende Pferd könnte sie verraten.
Die angebliche Magd bittet den Schlachter den Kopf Falladas in einem Torbogen anzuschlagen, welcher ihr dieses Gefallen tut.
Zum Gänsehüten muss sie mit Kürdchen jeden Tag durch dieses Tor gehen. Dort bleibt sie vor dem Pferdekopf stehen und sagt:
„O du Fallada,
da du hangest“
Und er antwortet:
„O du Jungfer Königin,
da du gangest“.
Wenn das deine Mutter wüßt,
das Herz tät ihr zerspringen.“
Auf der Gänsewiese setzt sie sich und kämmt ihr langes goldenes Haar. Kürdchen will danach haschen, da spricht sie zum Wind:
„Weh, weh Windchen,
nimm Kürdchen sein Hütchen
und lass ihn sich mit jagen,
bis ich mich geflochten und geschnatzt
und wieder aufgesatzt.“
Daraufhin weht der Wind so stark, dass er den Hut von Kürdchens Kopf reißt und der muss hinterher um ihn einzufangen.
Jeden Tag ärgert sich Kürdchen, sodass er eines Abends zum alten König geht und ihm erzählt, dass die Magd mit dem Pferdekopf spricht. Dieser versteckt sich am nächsten Morgen hinter dem Torbogen und hört die Worte, die zu Fallada gesprochen werden und auch was dar Pferdekopf antwortet. Er beobachtet, dass sie dem Wind sagen kann, er solle Kürdchens Hut wegwehen.
Am Abend lässt er die Gänsemagd kommen und fragt sie, was es mit all dem auf sich hätte. Doch die echte Königstochter hält sich an den Schwur, keinem Menschen davon zu erzählen.
Der alte König verfällt auf die List, sie solle doch ihr Leid dem alten Ofen erzählen, wenn nicht ihm.
Das tut sie, als sie sich allein wähnt. Doch hinter dem Ofen sitzt der König und hört alles. Daraufhin geht er zu seinem Sohn und erklärt ihm das Gehörte.
Beim Abendmahl fragt der König die falsche Braut, welche Strafe eine erhalten müsse, die so und so gehandelt hätte. Nichtsahnend und selbstsicher entgegnet sie, dass dieses Mädchen nackt in ein Fass mit Nägeln gesteckt werden müsse und dann sollten zwei Pferde das Fass solange ziehen, bis sie tot wäre.
Der alte König bedeutet ihr, dass sie ihr eigenes Urteil gesprochen habe.
Als das Urteil vollstreckt war, feierten die junge Königin und der junge König ein prächtiges Hochzeitsfest.
Und wenn sie nicht gestorben sind, …
und … dann hängt Falladas Kopf noch heute. Das ferne Königsreich muss wohl Thüringen gewesen sein, denn in der Schlossgasse in Gotha hängt der Kopf Falladas in einem Torbogen. Die Herren von Sachsen-Gotha-Altenburg und später derer von Sachsen-Coburg und Gotha residierten im Schloss Friedenstein, nahe der historischen Altstadt und der wunderbaren Wasserkunst von 1885. Könige waren sie allerdings nicht, doch vor Zeiten so eine schöne und geheimnisvolle Braut zu ehelichen, hätte ihnen gut zu Gesicht gestanden.

sich schnatzen – sich festlich kleiden, das Haar zu einer Krone aufstecken.
Christiane Möbius ist eine Bildhauerin, die den bronzenen, weiß gestrichenen
Kopf des Falladas schuf.
Sabine Penckwitt für kulturinfo-lippe.de
Titelbild: / Hey Märchen Wikipedia gemeinfrei Illustration von Paul Hey, 1939




