PREMIERE Sa. 13.06.26 / 19:30 Uhr / Stadttheater
Der Troubadour
Giuseppe Verdi
Originaltitel »Il trovatore« / Dramma lirico in vier Teilen / Libretto von Salvatore Cammarano und Leone Emanuele Bardare nach dem Drama »El Trovador« von Antonio García Gutierrez / In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Robin Davis Inszenierung Lorenzo Fioroni Bühne Paul Zoller
Kostüme Katharina Gault Movement Director/Choreografische Mitarbeit Nikos Fragkou
Licht Martin Quade Dramaturgie Laura Herder Choreinstudierung Hagen Enke
Mit Dušica Bijelić / Todd Boyce / Nenad Čiča / Alexandra Ionis / Cornelie Isenbürger /
Moon Soo Park / Andrei Skliarenko / Statisterie / Bielefelder Opernchor / Herren des
Extrachores des Theaters Bielefeld / Bielefelder Philharmoniker
Einst hat Azucena den Tod ihrer Mutter auf dem Scheiterhaufen ansehen müssen, nun holt die Vergangenheit sie ein. Ihr Sohn Manrico, der Troubadour, liebt Leonora – und sie liebt ihn. Auch Graf Luna will die junge Frau um jeden Preis erobern. Die Männer stehen sich als Rivalen in der Liebe und im Kampf gegenüber. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Leonora geht ins Kloster. Manrico entführt sie und sie fliehen. Azucena wird verhaftet. Manrico gerät ebenso in Gefangenschaft. Leonora will ihren Geliebten retten … Als alles zu spät ist, eröffnet Azucena die Wahrheit: Graf Luna und Manrico waren Brüder.
Rache, Liebe, Abgründe, Macht: Das ist Giuseppe Verdis Oper »Der Troubadour«. Auf einzigartig mitreißende Weise stellt der Meister der italienischen Oper tiefgründige Figuren, ihre Geschichte und Beweggründe in den Mittelpunkt der tragischen Handlung. Nach der Uraufführung am 1. März 1853 in Rom verbreitete sich Verdis Opernerfolg »Il trovatore« rasch auf den Bühnen Italiens und Europas – und das, obwohl der große Meister der italienischen Oper, der seine Kunst stets neu erfand, für die Wahl des Stoffes zunächst in der Kritik stand. Als Vorlage diente ihm das seinerzeit äußerst erfolgreiche Drama »El trovador« von Antonio García Gutiérrez. Das Werk ist geprägt
von einer Schauerromantik, deren Ingredienzen – folgenreiche Verwechslungen, Rachegelüste, Mord, Feuer, unerfüllte Liebe und Krieg – Mitte des 19. Jahrhunderts eigentlich schon aus der Mode gekommen waren. Auch der Vorwurf einer schwer nachvollziehbaren Handlungslogik haftet der Oper bis heute an. Verdi interessierten jedoch vor allem »mächtige leidenschaftliche, vor allem aber ursprüngliche Charaktere. Die großen Charaktere zeugen die großen Situationen, aus denen die Wirkung ganz natürlich hervorwächst.« Im Zentrum stehen die Leidenschaften, Ab- und Beweggründe von Leonora, Graf Luna, dem Troubadour Manrico und vor allem einer Figur: Azucena, nach der Verdi seine Oper ursprünglich benennen wollte. In »Der Troubadour«, lange Zeit seine beliebteste Oper und neben »Rigoletto« und »La traviata« Teil der sogenannten »trilogia popolare«, entfaltet Verdi eine schier unerschöpfliche Fülle an melodischen Einfällen und musikalisch einzigartigen Gestaltungen. Zwar hält er sich – anders als ursprünglich geplant – an das Schema der Nummernoper, verändert jedoch deren Musikdramaturgie grundlegend: Er verzichtet auf einen Eingangschor, spiegelt den Machtkampf zwischen Manrico und Luna auch musikalisch wider und gestaltet die Atmosphäre sowie die folgenschwere Vorgeschichte, den Flammentod eines kleinen Jungen, auf eindrucksvolle Weise. »Varietà«, Vielfalt, lautet das Motto dieser Komposition – und prägt sowohl ihre musikalische Gestaltung als auch die Konzeption der Hauptfiguren. Selbst mit historischer Genauigkeit nimmt es die Oper
dabei nicht allzu genau: Im Spanien des 15. Jahrhunderts, in dem »Il trovatore« spielt, gab es längst keine Troubadoure mehr – und noch keine fahrenden Völker, denen Azucena und Manrico hier zugerechnet werden.
Lorenzo Fioroni und sein Team begegnen Verdis »Il trovatore« mit großer Ernsthaftigkeit – gegenüber der Partitur ebenso wie gegenüber den Figuren, ihren Leidenschaften und den historischen Konstellationen, aus denen heraus das Drama entsteht. Zentrales Element
des Bühnenbilds ist eine monumentale, bewegliche Tribüne. Sie erweitert und verengt den Spielraum und wird selbst zur Aktionsfläche. So entstehen Bilder, die den permanenten Wechsel zwischen öffentlicher Machtdemonstration und intimem Seelendrama sichtbar machen. Auch die Kostüme von Katharina Gault bewegen sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Historisch anmutende Details verbinden sich mit einer Ästhetik der »Arte Povera«, jener Kunstrichtung, die mit bewusst einfachen Materialien arbeitet. Manche Kostüme wirken wie skizzenhafte Entwürfe ihrer selbst: angedeutete Rüstungsteile, improvisiert wirkende Ärmel und Westen, Krägen und Ornamente aus unscheinbaren Alltagsmaterialien statt aus kostbaren Stoffen. Besonders prägnant erscheinen die männlichen Figuren, allen voran die Rivalen Manrico und Graf Luna. Mit breitem Kragen und ausladender Silhouette präsentieren sie sich wie »zwei stolze Hähne«, die unablässig um Aufmerksamkeit und Anerkennung werben. Für Lorenzo Fioroni ist dies ein Schlüssel zum Werk: »Eigentlich singen und reden sie die ganze Zeit nur von sich.« In einer Welt, die von verletzter Eitelkeit, Besitzansprüchen und männlichem Konkurrenzdenken geprägt ist, geraten die Figuren in einen Strudel aus Leidenschaft, Gewalt und Selbstüberschätzung, Rache, Liebe und Verdrängung – mit fatalen Folgen für alle Beteiligten. Wie ein alle einholendes Trauma wird auch das Kind, das
Azucena aus Rache an ihrer Mutter vor vielen Jahren den Flammen auslieferte, Teil des Bühnengeschehens. Weitere Elemente wie ein Lautsprecher, der das musikalische und szenische Geschehen um Laute und Geräusche erweitert sowie Video und Projektionen 0
ergänzen die Inszenierung zu einem vielfältigen, skizzenartigen Bühnengeschehen – ganz im Sinne von Verdis »varietà«.
In der Titelrolle ist Tenor Nenad Čiča als Manrico zu erleben – ein Mann, der gleichermaßen seiner vermeintlichen Mutter Azucena, seiner großen Liebe Leonora, dem Machtkampf mit Graf Luna und nicht zuletzt sich selbst ausgeliefert ist. Sein Gegenspieler und, wie sich später herausstellt, Bruder Graf Luna wird von Todd Boyce gesungen und gespielt. Als Leonora verkörpert Dušica Bijelić eine liebende, treue und entschlossene, zugleich aber zutiefst einsame Frau, der allein ihre Hofdame Ines zur Seite steht, dargestellt von Cornelie Isenbürger. Moon Soo Park bringt als Ferrando die Menge gegen Azucena auf, Andrei Skliarenko ist als Ruiz auf der Bühne zu erleben. Eine der eindrucksvollsten und innerlich zerrissensten Figuren der Oper ist Azucena: gefangen zwischen dem Vermächtnis ihrer Mutter und der Liebe zu ihrem Sohn Manrico, gesungen und dargestellt von Alexandra Ionis.
Der Opernchor des Theaters Bielefeld sowie die Herren des Extrachores (Einstudierung: Hagen Enke) gestalten die ebenso anspruchsvolle wie eindrucksvolle Chorpartie. Als Movement Director und choreografischer Mitarbeiter entwickelt Nikos Fragkou prägnante
Bewegungsabläufe für die vielschichtige Bühnenhandlung. Die musikalische Leitung liegt bei Generalmusikdirektor Robin Davis, der gemeinsam mit dem Ensemble 0und den Bielefelder Philharmonikern die musikalischen Geschicke des Abends zusammenführt.
Nächste Termine 17.06. / 28.06. / 03.07. / 09.07.
Karten theater-bielefeld.de / 0521 51-5454
MUSIKALISCHE LEITUNG
Robin Davis, im englischen Exeter geboren, schloss zunächst ein Mathematikstudium an der Cambridge Universität ab, bevor er an der Royal Academy of Music in London Klavierbegleitung bei Michael Dussek studierte. Dort wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Kathleen Ferrier Begleitungspreis in der Wigmore Hall. Sein erstes Engagement bekam er 2009 als Solorepetitor am Theater Dortmund, wo er auch als Solist mit den Dortmunder Philharmonikern auftrat. Während dieser Zeit studierte er Dirigieren bei Ekhart Wycik und wechselte 2011 an das Oldenburgische Staatstheater als Kapellmeister und Assistent des GMDs. Nach Stationen als erster Kapellmeister am Theater Lüneburg und am Salzburger Landestheater wurde er 2020 zum Generalmusikdirektor am Theater Pforzheim berufen. Seit der Spielzeit 2025/26 ist er Generalmusikdirektor an den Bühnen und Orchester Bielefeld.
INSZENIERUNG
Der in Locarno geborene Lorenzo Fioroni wird für sein sinnliches, emotionales Musiktheater und als einer der wichtigsten Regisseure seiner Generation gefeiert. Nach einer Ausbildung zum Cellisten studierte er Opernregie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und arbeitete mit Ruth Berghaus und Götz Friedrich. Regiearbeiten verwirklichte er bisher u.a. an den Theatern in Münster, Osnabrück, Heidelberg, Augsburg, Bonn, Luzern, den Staatstheatern in Nürnberg, Oldenburg, Mainz, Karlsruhe, Kassel und Saarbrücken, dem Nationaltheater Mannheim, an der Königlichen Oper Kopenhagen, dem Théâtre de La Ville de Luxembourg an der Oper Graz, der Oper Leipzig, der Deutschen Oper am Rhein, der Staatsoper Hannover, der Deutschen Oper Berlin sowie der Semperoper Dresden. Höhepunkte im breiten Spektrum seiner Produktionen waren zum Beispiel »L’incoronazione di Poppea,« »Hippolyte et Aricie«
oder »Don Giovanni«, »Nabucco«, »La Traviata«, »Simon Boccanegra«, »La Forza del Destino«, »Turandot«, »Cavalleria rusticana/Pagliacci« oder »Mefistofele«, »Die Meistersinger von Nürnberg«, »Tannhäuser«, »Der Rosenkavalier« oder »Elektra«,
ebenso wie »Les Contes d’Hoffmannn«, »Pelléas et Mélisande«, »Krol Roger«, »Boris Godunov«, »Peter Grimes« sowie »War Requiem«, »Le Grand Macabre« und »Jeanne d’arc au bûcher«.
Fioroni erhielt den Götz-Friedrich-Preis für Regie, wurde zweimal nominiert für DER FAUST und gewann mit Martinůs »Greek Passion« für die Oper Graz den Österreichischen Musiktheaterpreis. 2021 wurde er von der Opernwelt ausgezeichnet als »Prägender Regisseur des Jahres«. 2024 wurde seine Inszenierung von Schönbergs »Moses und Aron« an der Oper Bonn zur »Aufführung des Jahres« gewählt, ebenso war 2025 seine Deutung von Saariahos »Innocence« für die Semperoper Dresden nominiert als »Beste Neuproduktion« bei den International Opera Awards. 2026 startete die Staatsoper Hannover mit ihm eine Serie von Deutschen Erstaufführungen von Werken
des französischen Komponisten Pascal Dusapin. Kommende weitere Engagements werden ihn u.a. wieder an die Korea National Opera, die Oper Leipzig, die Semperoper Dresden sowie an die Oper Frankfurt führen.
BESETZUNG
Nenad Čiča Manrico
Dušica Bijelić Leonora
Todd Boyce Conte di Luna
Alexandra Ionis Azucena
Moon Soo Park Ferrando
Cornelie Isenbürger Inèz
Andrei Skliarenko Ruiz / Ein Bote
Daniel Alejandro Cobos Ortiz Alter Mann
Tae-Woon Jung Alter Mann




