Anzeigen | Neuer Video-Podcast des Museums Barberini: Der Fall Liebermann
Neuer Video-Podcast des Museums Barberini:
Der Fall Liebermann
Potsdam, 13. Mai 2026 – Max Liebermann war einer der zentralen Künstler des Impressionismus in Deutschland und hatte auch als Sammler, Ausstellungsmacher und Mentor herausragenden Einfluss. Im konservativen Kaiserreich war der jüdische Maler als Präsident der Berliner Secession eine mutige Stimme für Fortschritt, Internationalität und Erneuerung. Dennoch war Liebermann bei seinem Tod 1935 aus der Öffentlichkeit gedrängt, sein Werk verfemt. Wie konnte es dazu kommen? In dem vierteiligen Video-Podcast Der Fall Liebermann geht der Kulturjournalist und Moderator Johannes Nichelmann dieser Frage nach. Er folgt Max Liebermann von seinen skandalbegleiteten Anfängen über die Zeiten des Ruhmes als gefeierter Künstler Deutschlands bis zu seinem Ende in Verbitterung und Einsamkeit. Der Podcast ist ab heute auf Spotify, Apple Podcasts sowie YouTube zu finden.
Der Fall Liebermann verbindet anhand der facettenreichen Biographie Max Liebermanns Kunst- und Zeitgeschichte. Als Expertinnen zu hören sind dabei Evelyn Wöldicke, Liebermann-Expertin und Direktorin der Liebermann-Villa am Wannsee, Jens Bisky, Journalist und Autor (zuletzt: „Die Entscheidung. Deutschland 1929—34“), und Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini. Moderiert wird der Podcast von Kulturjournalist Johannes Nichelmann, der auch dessen Produzent ist. In vier Akten werden Liebermanns Leben und „Fall“ aufgerollt:
Die erste Akte, „Jung gegen Alt“, widmet sich Liebermanns Anfängen, seiner Erziehung als Sohn einer großbürgerlichen Familie, dem Skandal um sein erstes großes Werk Die Gänserupferinnen sowie seinem Gemälde Zwölfjähriger Jesus im Tempel, das ebenfalls für einen Skandal sorgte und den Juden Liebermann erstmals weitreichenden antisemitischen Anfeindungen aussetzte.
Die zweite Akte, „Künstler gegen Kaiser“, beleuchtet Liebermanns Konflikte im konservativen Kaiserreich und mit Kaiser Wilhelm II. persönlich. Liebermanns Kunst wird immer stärker impressionistisch, also französisch beeinflusst – ein Affront in den Augen des Kaisers! Der Konflikt gipfelt in der Gründung der Berliner Secession, deren Präsident Max Liebermann wird. Als Machtmensch polarisiert Liebermann, doch als er 1911 als Präsident der Secession zurücktritt, ist er auf dem Zenit seines Schaffens und seines künstlerischen Ruhmes.
Im Zentrum der dritten Akte, „Nazis gegen die Vernunft“, stehen die Jahre der Weimarer Republik, in denen Max Liebermann Präsident der Preußischen Akademie der Künste ist. Als Reformer fördert er junge Künstler, die er als Secessions-Präsident noch ablehnte – nun bringt er damit reaktionäre Kreise gegen sich auf, die zunehmend laut eine „völkische“ Kunst fordern. Obwohl vordergründig in gefestigter Position, muss Liebermann immer stärker antisemitische Hetze ertragen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten ist Liebermanns Leben und Wirken in der Öffentlichkeit beendet.
Die vierte Akte, „Die Villa am See“, fokussiert sich auf Liebermanns häusliches Umfeld in seiner Villa am Wannsee, seine Familie und das Schicksal seiner Frau Martha. Und sie folgt der Frage: Wie konnten die Nationalsozialisten innerhalb nur weniger Jahre die Öffentlichkeit gleichschalten und das gesellschaftliche Fundament für ihre Verbrechen legen?
Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini, über das Projekt: „Das Museum Barberini versteht sich als Haus des Impressionismus. Max Liebermann als den wohl wichtigsten Vertreter dieser Strömung in Deutschland auch über unsere aktuelle Ausstellung hinaus näher zu beleuchten, war für uns daher naheliegend. Im Video-Podcast erfahren wir nicht nur viel über seine Kunstauffassung oder seine künstlerische Arbeit, sondern lernen Liebermann auch als Menschen kennen, mit seinem Humor, seiner Familienliebe, seiner Streitbarkeit, aber auch den Anfeindungen, denen er eigentlich sein ganzes Leben lang ausgesetzt war. Die Idee von nb Studios für das Format hat uns sofort überzeugt, und dank der umfassenden Unterstützung der Liebermann-Villa, für die wir sehr dankbar sind, können wir nun dauerhaft aus Potsdam heraus die Brücke zum Berliner Max Liebermann schlagen.“
Evelyn Wöldicke, Direktorin der Liebermann-Villa am Wannsee, über das Projekt: „Max Liebermanns Biographie ist keine Erfolgsgeschichte ohne Brüche. Sie erzählt von Ausgrenzung, von Widersprüchen und davon, wie schnell gesellschaftliche Anerkennung kippen kann. Für die Liebermann-Villa ist es ein zentrales Anliegen, Liebermann nicht allein als Maler zu zeigen, sondern auch als Persönlichkeit im Spannungsfeld seiner Epoche. Der Podcast bietet dafür ein besonders lebendiges Format: Er bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen, eröffnet neue Zugänge und lädt ein, tiefer in die Zeitgeschichte einzutauchen. Es ist uns eine große Freude, Teil dieses wichtigen Projekts zu sein, um Liebermanns Geschichte vielschichtig in die Gegenwart zu tragen.“
Johannes Nichelmann, Co-Produzent von nb Studios sowie Moderator des Video-Podcasts: „Als Produktionsfirma erzählen wir bei nb Studios packende Geschichten aus Politik, Kultur und Gesellschaft. Die Lebensgeschichte Max Liebermanns verbindet alle diese Bereiche und wir wollten sie in einer zeitgemäßen Form erzählen. Fragen, die für Liebermanns Zeit hochrelevant waren, beschäftigen uns auch heute: Wer hat welchen Platz in einer Gesellschaft? Wessen Stimmen werden gehört? Wie schnell können Menschen ausgegrenzt werden, und auf welcher Grundlage eigentlich? Mit dem Video-Podcast zeigen wir auf, dass all diese Fragen nicht neu sind, die Suche nach Antworten uns aber bis heute dazu auffordert, genau hinzusehen.“
Neben der umfassenden inhaltlichen Unterstützung der Liebermann-Villa am Wannsee unterstützten auch das Städel Museum, Frankfurt am Main, sowie die Staatlichen Museen zu Berlin mit Alter Nationalgalerie und Kupferstichkabinett das Projekt, insbesondere mit der Bereitstellung von Bildmaterial. Weitere Abbildungen stammen aus dem Museum Kunst der Westküste, Alkersum / Föhr, dem Musée d’Orsay, Paris, der Tate, London, aus dem Kunsthaus Zürich sowie aus Privatsammlungen.
Der Fall Liebermann ist als Video-Podcast auf Spotify und Apple Music sowie als Video auf dem YouTube-Kanal des Museums Barberini zu finden.
Der Fall Liebermann
Vierteiliger Video-Podcast des Museums Barberini mit nb Studios
Mit:
Jens Bisky, Redakteur und Autor
Johannes Nichelmann, Moderator
Ortrud Westheider, Direktorin, Museum Barberini
Evelyn Wöldicke, Direktorin, Liebermann-Villa am Wannsee
Autorin & Regisseurin: Marie Tiemann
Host: Johannes Nichelmann
Kamera: Tobias Winkel
Sound: Julius Hofstädter
Schnitt: Marvin Leibold
Grafik: Julian Krischker
Fachberatung: Evelyn Wöldicke, Viktoria Bernadette Krieger (Liebermann-Villa am Wannsee)
Produktion: Carsten Bartelt, Jenny Häschel, Beate Selchow
Produzenten: Johanna Behre, Johannes Nichelmann
Leitung: Carolin Stranz, Achim Klapp (Museum Barberini)
Die Ausstellung Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland im Museum Barberini zeichnet bis zum 7. Juni 2026 mit über 110 Werken aus internationalen Sammlungen die Entwicklung des deutschen Impressionismus nach. Im Mittelpunkt steht Max Liebermann – als Maler, Sammler und Präsident der Berliner Secession –, der die Öffnung des deutschen Kunstbetriebs zur Moderne maßgeblich vorantrieb. Zugleich zeigt die Schau, wie eine jüngere Künstlergeneration, angeregt von der französischen Avantgarde, neue Bildwelten zwischen Großstadt, Natur, Theater und Alltag entwarf. Neben Werken von Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt und Fritz von Uhde sind auch Positionen von vielen weiteren Künstlerinnen und Künstlern der Zeit zu entdecken, darunter Dora Hitz, Maria Slavona oder Lesser Ury.