
Bildunterschrift: Daniel Libeskind in seinem Atelier Bregenzer Straße 3, Fotografie auf Silbergelatine-Barytpapier, Abzug aus dem Jahr 2007 vom Künstler Dezember 1990
Copyright: Jüdisches Museum Berlin; Foto: Udo Hesse
Das Jüdische Museum Berlin (JMB) zeigt ab 08. Mai die Ausstellung Between the Lines. Daniel Libeskind und das Jüdische Museum Berlin. Mit der Schau ehrt das JMB den Architekten – Daniel Libeskind wird im Mai 80 Jahre alt – und feiert gleichzeitig das eigene 25-jährige Jubiläum in dem ikonischen Museumsbau.

Außenansicht Jüdisches Museum Berlin, Libeskind-Bau mit Garten des Exils
Jüdisches Museum Berlin, Foto: Yves Sucksdorff
- Im Sommer 1989 gewann der in Polen geborene US-amerikanische Architekt den Wettbewerb für den Erweiterungsbau des ehemaligen Berlin Museums (das heute Teil des Stadtmuseums Berlin ist) – und wurde damit weltberühmt. Er hatte sich intensiv mit Berlin und der deutschen Geschichte auseinandergesetzt und den Zivilisationsbruch des Holocaust erstmals in die Formensprache eines Gebäudes übersetzt. Der Wettbewerb und die darauffolgenden Diskussionen haben im wiedervereinigten Deutschland dazu geführt, dass intensiv darüber verhandelt wurde, welche Erinnerungskultur hierzulande gelebt wird, also darüber, wie sich die deutsche Gesellschaft als Ganzes zur jüngeren Geschichte, zur Shoah und zur jüdischen Minderheit verhält und welche Rolle Juden und Jüdinnen dabei einnehmen.
Hetty Berg, die Direktorin des JMB, unterstreicht die Bedeutung des Entwurfs für die deutsche Erinnerungskultur: „Libeskinds Entwurf von 1988 reichte weit über die ursprüngliche Bauaufgabe hinaus, indem er sich intensiv mit der Berliner Geschichtslandschaft auseinandersetzte und damit die deutsche Gedächtniskultur beeinflusste. Der Bau ist zugleich ein Symbol für die Auseinandersetzungen darüber, wie die deutsche Geschichte zu erzählen ist. Bis heute ist es ein Raum, in dem vom Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland – früher und heute – erzählt wird, von deutsch-jüdischer Geschichte, vom Verhältnis der jüdischen Minderheit zur nichtjüdischen Mehrheitsgesellschaft.“
Die Ausstellung lädt dazu ein, sich eingehend mit Libeskinds Entwurf sowie dem Gebäude und seinem Kontext zu beschäftigen. „Auf der Planzeichnung können die Besucher*innen Libeskinds konzeptionelle Gedanken nachvollziehen“, so Kuratorin Miriam Goldmann. „Anhand von Fragmenten von Paul Celan, Walter Benjamin, Friedrich Schleiermacher, E. T. A Hoffmann, Heinrich von Kleist, Rahel Varnhagen, Mies van der Rohe und anderen können sie verfolgen, wie der Architekt aus der deutschen und insbesondere jüdischen Berliner Kulturgeschichte schöpft.“

Bildunterschrift: Daniel Libeskind,
Modell für den Neubau des Jüdischen Museums Berlin („Names Model“), 1989–1991, Holzwerkstoff und Karton mit bedrucktem und grau gefärbtem Papier beklebt, Holz bemalt, Metall
19 x 121,6 x 118,3 cm (Außenmaße mit auskragender Stange)
Copyright: Jüdisches Museum Berlin, 2003/9/0, Foto: Roman März
So finden sich neben vielen architektonischen Anspielungen aus Walter Benjamins Text Einbahnstraße, biblische Verse von Verheißung und Verzweiflung. Dazwischen sind die Deportationsdaten von Berliner Jüdinnen und Juden verzeichnet. Diese verschwundene Berliner Bevölkerung ist als umbaute Leere, englisch Void, vom Untergeschoß bis zum Dach mehrfach in das Gebäude eingeschrieben. Die Voids entstehen jeweils an den Schnittstellen zwischen einer geraden und einer im Zick-Zack verlaufenden Linie. Mit den Voids fügt der Architekt der räumlichen Struktur eine zeitliche Dimension hinzu, in der sich Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft verbinden.
Mit der Präsentation von Modellen, Zeichnungen und Diskursen führt die Ausstellung zurück in die Berliner Wendezeit und trägt zum Verständnis der Entstehung heutiger Diskussionen um Erinnerung, Gedächtnis und Gedenken bei. Die Exponate stammen aus der Sammlung des JMB, sind Leihgaben oder Schenkungen von Daniel Libeskind.
„In den vergangenen 25 Jahren hat sich das Jüdische Museum Berlin zu einer wichtigen Plattform für Kultur, Reflexion und Bildungsarbeit entwickelt. Es wurde konzipiert, um zum Nachdenken anzuregen und Emotionen zu wecken, und ich freue mich, dass es auch weiterhin neue Generationen dazu inspiriert, sich auf sinnvolle und stets neue Weise mit der Geschichte auseinanderzusetzen“
, sagt der Architekt Daniel Libeskind.
Das JMB dankt den FREUNDEN DES JMB für die großzügige Förderung der Ausstellung.
| Laufzeit | 8. Mai bis 1. November 2026 |
|---|---|
| Ort | Jüdisches Museum Berlin, Eric F. Ross Galerie |
| Eintritt | frei |




