
Foto: David von Becker
Ruin und Rausch. Berlin 1910–1930
25. April 2026 – 3. Januar 2027
Eine Sonderausstellung der Neuen Nationalgalerie – Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Mit „Ruin und Rausch“ nimmt die Neue Nationalgalerie ausgewählte Werke ihrer herausragenden Sammlung der Klassischen Moderne in den Blick, die das Berlin der 1910er- und 1920er-Jahre thematisieren. Diese Jahrzehnte – geprägt von Erstem Weltkrieg und Weimarer Re-publik – oszillierten beständig zwischen Gegensätzen: Exzess und Armut, Emanzipation und Extremismus gingen in der rasant wach-senden, kosmopolitischen Metropole Hand in Hand. Mit rund 35 Werken unterschiedlicher Stilrichtungen macht die fokussierte Aus-stellung die Ambivalenz von Glanz und Elend, Aufstieg und Abgrund im damaligen Berlin erlebbar.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Berlin im Zuge der Industrialisierung nicht nur zu einem ökonomischen, sondern vor allem zu einem politischen und kulturellen Zentrum. Mit der Gründung von Groß-Berlin 1920 stieg die Einwohnerzahl sprunghaft auf rund 4 Millionen Menschen; Berlin wurde nach New York und London zur bevölkerungs-mäßig drittgrößten Stadt der Welt. Neben den zahlreichen Neuerungen in den Bereichen Technik, Bau und Verkehr vollzogen sich gesellschaftliche Umwälzungen, wie die Demokratisierung oder die Frauenemanzipation. Die Traumata des Ersten Weltkriegs, politische Unruhen und der erstar-kende Nationalsozialismus überschatteten die „Goldenen Zwanziger“. Bereits damals wurde Berlin in Anspielung auf das biblische „Babel“ als „Babylon“ bezeichnet, wo Menschen aus aller Welt zusammenkamen und moralische Grenzen überschritten. Die Metropole befand sich auf vielen Ebenen in Aufruhr: Freiheit, Konsum und Exzess standen in Kontrast zu wachsender Armut und Arbeitslosigkeit.
Die Ausstellung „Ruin und Rausch“ im Sammlungsgeschoss der Neuen Nationalgalerie macht in drei Sektionen das von Gegensätzen geprägte Berliner Großstadtleben zwischen 1910 und 1930 nachvollziehbar. Den Auftakt bildet das Gemälde „Potsdamer Platz“ von Ernst Ludwig Kirchner, der bereits 1914 das zerrissene Lebensgefühl der Zeit ins Bild setzte. Nachdem Eingangs die Dynamik der wachsenden Metropole mit Blick auf Architektur, Verkehr und Nachtleben in den Blick genommen wird, widmet sich der zweite Teil der Ausstellung dem sozialen Elend und den Entbehrungen, die den Alltag der Bevölkerung überwiegend prägten. Das dritte Kapitel beleuchtet unterschiedliche Facetten der urbanen Frau, wobei Freiheitsdrang, Selbstbestimmung und queeres Leben sichtbar werden. Am Ende steht Lotte Lasersteins melancholisches Werk „Abend über Potsdam“ von 1930, das den erstarkenden Nationalsozialismus reflektiert.
Die Ausstellung zeigt vorwiegend Gemälde und Skulpturen aus der Sammlung der Nationalgalerie, ergänzt durch eine herausragende Leigabe der Sammlung Landesbank Baden-Württemberg im Kunstmuseum Stuttgart: Otto Dix` Gemälde der Tänzerin Anita Berber von 1925. Alle ausgestellten Werke haben einen expliziten Bezug zur Stadt Berlin, sei es motivisch oder aufgrund einer biografischen Verbindung der Künst-ler*innen. Die Vielstimmigkeit der Zwischenkriegszeit wird anhand von Werken so unterschiedlicher Stilrichtungen wie Expressionismus, Dada-ismus, Konstruktivismus und Neue Sachlichkeit aufgefächert. Darüber hinaus werden Ausschnitte aus Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis“ (1927) und Walther Ruttmanns experimentellem Dokumentarfilm
„Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ (1927) gezeigt. An drei Hörstationen werden inhaltlich kongeniale Gedichte von Anita Berber, Mascha Kaléko und Erich Kästner bereitgestellt.
Künstler*innen der Ausstellung:
Josephine Baker, Anita Berber, Rudolf Belling, Otto Dix, Heinrich Ehmsen, Paul Fuhrmann, George Grosz, Hans Grundig, Thea von Har-bou, Hannah Höch, Karl Hofer, Constantin Holzer-Defanti, Mascha Kaléko, Erich Kästner, Ernst Ludwig Kirchner, Georg Kolbe, Käthe Kollwitz, Fritz Lang, Lotte Laserstein, Tamara de Lempicka, Jeanne Mammen, Carlo Mense, Otto Nagel, Oskar Nerlinger, Ernest Neuschul, Walther Ruttmann, Renée Sintenis, Jakob Steinhardt, Georg Tappert, Lesser Ury, Gustav Wunderwald.
Die Ausstellung wird begleitet von einem vielfältigen Vermittlungsprogramm mit Führungen und Workshops für Familien, Schüler*innen und Erwachsene sowie einem Veranstaltungsprogramm mit Konzerten und Vorträgen.
„Ruin und Rausch. Berlin 1910–1930“ wird kuratiert von Uta Caspary und Irina Hiebert Grun, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen der Neuen
Nationalgalerie, mit kuratorischer Assistenz von Noor van Rooijen.
Titelbild:





