Anzeigen | LENBACHHAUS trauert um DR. CHRISTOPH HEILMANN 1936–2026
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DR. CHRISTOPH HEILMANN 1936–2026
„Das Schöne, wie das Wahre, erscheint stets im Licht seiner Zeit und der Persönlichkeit, die es zu deuten vermag.“ (Gustave Courbet)
Dr. Christoph Heilmann (1936–2026)
Kunsthistoriker, Kurator, Sammler und Stifter
Die Christoph Heilmann Stiftung und die Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München trauern um Dr. Christoph Heilmann, der am 2. April 2026 im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert die Kunstgeschichte eine ebenso gelehrte wie passionierte Persönlichkeit – und das Lenbachhaus einen seiner wichtigsten Förderer seit der Wiedereröffnung 2013.
Christoph Heilmann wurde am 22. Januar 1936 in Heidelberg geboren. Nach einer Banklehre studierte er ab 1958 Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Italienische Literaturwissenschaft in München, Heidelberg und Berlin. Für seine Dissertation über die Villa Borghese verbrachte Heilmann einen dreijährigen Forschungsaufenthalt an der Bibliotheca Hertziana in Rom. 1967 wurde er bei Hans Kauffmann in Berlin promoviert. Es folgte ein einjähriges Fellowship am Courtauld Institute of Art in London. Seine Studienzeit und frühen Forschungen prägten zweifellos die europäische Dimension von Christoph Heilmanns Denken.
Von 1968 bis 1970 absolvierte er ein Volontariat an den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, der Staatlichen Graphischen Sammlung und dem Bayerischen Nationalmuseum in München. Als Stipendiat der Fritz Thyssen Stiftung arbeitete er anschließend an den Bestandskatalogen der Neuen Pinakothek mit. 1975 wurde er Konservator bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und war maßgeblich an der Planung des Neubaus der kriegszerstörten Neuen Pinakothek Alexander von Brancas sowie an der Neukonzeption der Sammlungspräsentation beteiligt. Sein Verantwortungsbereich umfasste die Malerei und Skulptur des 19. Jahrhunderts, insbesondere der ersten Jahrhunderthälfte; zugleich war er Hausreferent der 1981 eröffneten Neuen Pinakothek. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000 verantwortete er zahlreiche Ausstellungen zur deutschen und europäischen Malerei des 19. Jahrhunderts, häufig internationale Kooperationen. Diese Ausstellungen haben die Wahrnehmung der Kunst des 19. Jahrhunderts in Deutschland nachhaltig beeinflusst.
Der Horizont von Christoph Heilmanns Forschung – von der Barockarchitektur Roms bis zur Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts – war nicht durch enge Spezialisierung begrenzt. Stets begleitete eine historische und kulturpolitische Perspektive seine kunsthistorische Auseinandersetzung mit der Malerei. Ein besonderes Interesse galt dem grenzüberschreitenden Austausch, etwa zwischen Skandinavien, England, Deutschland und Frankreich. Zu den aufwendigsten und wissenschaftlich ambitioniertesten Projekten seiner Laufbahn gehörte die Ausstellung „Corot, Courbet und die Maler von Barbizon“ im Haus der Kunst in München (1996), begleitet von einem internationalen Kolloquium, dessen Ergebnisse 1999 unter dem Titel „Barbizon. Malerei der Natur, Natur der Malerei“ publiziert wurden. Heilmann veröffentlichte zudem grundlegende Arbeiten zur Sammlungsgeschichte und Kunstpolitik Ludwigs I. von Bayern, zu den Deutschrömern, zur englischen Landschaftsmalerei des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts, zur deutschen Romantik sowie zu den Künstler*innen von Barbizon und zum Realismus in der Landschaftskunst. Dieser Schwerpunkt bildete zugleich das Fundament seiner Sammlungstätigkeit.
2003 gründete er die Christoph Heilmann Stiftung mit Sitz in München. Ihr Zweck ist die Förderung von Kunst und Kultur, insbesondere die Erforschung der romantischen und frühen realistischen Landschaftsmalerei in Deutschland und Frankreich. Die über Jahrzehnte nach einem klaren Konzept aufgebaute Sammlung, das Kernstück der Stiftung, umfasst mehr als hundert Werke der deutschen, französischen und skandinavischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts.
2013, unter dem Direktorat von Helmut Friedel, vereinbarten Christoph Heilmann und die Städtische Galerie im Lenbachhaus eine enge Zusammenarbeit auf Dauer. Mit der Aufnahme der Sammlung der Christoph Heilmann Stiftung in den Bestand des Lenbachhauses wurde ein entscheidender neuer Akzent gesetzt: Es entstanden vielfältige Bezüge zwischen den Sammlungskomplexen, die die Entwicklung der Landschaftsmalerei des frühen 19. Jahrhunderts exemplarisch nachvollziehbar machen.
Heilmann verstand seine Sammlung nicht als Ansammlung herausragender Einzelwerke, sondern als argumentatives Gefüge. Im Zentrum steht die Überzeugung, dass sich um 1800 eine europäische Bildsprache der Natur entwickelte, die sich nationalen Vereinnahmungen entzog und auf Austausch, Mobilität und gemeinsamer Naturerfahrung beruhte.
Mit großem persönlichem Engagement begleitete Christoph Heilmann die Integration seiner Sammlung in das Museum. Eine erste Auswahl von Gemälden und Ölstudien der Christoph Heilmann Stiftung wurde nach dem Umbau und der Sanierung des Lenbachhauses zur Wiedereröffnung 2013 präsentiert. Gleichzeitig erschien der wissenschaftliche Bestandskatalog „Natur als Kunst. Frühe Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts in Deutschland und Frankreich“. Nach einer erfolgreichen zweijährigen Tournee durch Deutschland mit Stationen im Museum Schloss Moyland bei Kleve und im Angermuseum in Erfurt kehrte die Sammlung im März 2019 mit einer umfangreichen, von Christoph Heilmann gemeinsam mit Ulrich Pohlmann kuratierten Ausstellung ins Lenbachhaus zurück. Zwei der innovativsten Bildmedien des 19. Jahrhunderts — die freimalerische Ölskizze und die präzise Naturfotografie — traten dabei in einen intensiven Dialog und zeigten Wege zum modernen Landschaftsbild auf. Ein internationales Kolloquium mit dem Titel „Landschaftsmalerei. Eine Reisekunst? Mobilität und Naturerfahrung im 19. Jahrhundert“ brachte 2015 Forscher*innen am Lenbachhaus zusammen, die Publikation der Ergebnisse erfolgte 2017.
Die Stiftung führt diese Arbeit durch Vorträge, Tagungen und Publikationen fort; sie versteht Sammlung ausdrücklich als Forschungsraum. Das Lenbachhaus verdankt Christoph Heilmann nicht nur einen bedeutenden Sammlungszuwachs, sondern eine nachhaltige Erweiterung seines Profils als Forschungs- und Ausstellungsinstitution. Die von ihm angestoßenen Perspektiven wirken weit über seine eigene Tätigkeit hinaus. Derzeit sind ausgewählte Werke als Zeugnis seiner Sammlungstätigkeit in der Präsentation „Was zu verschwinden droht, wird Bild. Mensch – Natur – Kunst“ im Lenbachhaus zu sehen.
Wir verlieren mit Christoph Heilmann einen herausragenden Kunsthistoriker, leidenschaftlichen Sammler und großzügigen Stifter. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden. Sein Denken und Wirken werden im Lenbachhaus und in der Arbeit der Stiftung lebendig bleiben.
Der Vorstand der Christoph Heilmann Stiftung: Karin Althaus, Nico Heilmann, Matthias Mühling, Sandra Uhrig
Die Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München: Matthias Mühling und das gesamte Museums-Team.
Eintrittspreise
Regulär 10 €
Ermäßigt 6 €
Freier Eintritt unter 18 JahrenDer Kunstbau ist im Jahr 2026 aufgrund von Sanierungsmaßnahmen geschlossen.
Öffnungszeiten
Di–So 10–18 Uhr
Do 10–20 Uhr
Abb. 1: Christoph Heilmann 2015 in der Präsentation der Christoph Heilmann Stiftung in der Ausstellung „Natur als Kunst“ in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München. Foto: Lenbachhaus, Simone Gänsheimer / Abb. 2: Gustave Courbet, Schwarze Felsen bei Trouville, 1865, Öl auf Leinwand, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Dauerleihgabe der Christoph Heilmann Stiftung