Louis Spohrs Passionsoratorium „Des Heilands letzte Stunden“

Es war ein wahres Musikerlebnis, Louis Spohrs Passionsoratorium „Des Heilands letzte Stunden“, heute nahezu unbekannt, im Konzerthaus der Hochschule für Musik vom Oratorienchor Detmold und der Nordwestdeutschen Philharmonie aufgeführt, zu erleben. Ein grandioses Werk, das unter die Haut geht und einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Das Libretto geschrieben von Johann Friedrich Lochwitz enthält wie viele Passionsvertonungen des 19. Jahrhunderts antijüdische Tendenzen. Soll doch die jüdische Autorität den Tod Christi verursacht haben. Spohr war ein Mensch seiner Zeit. „Im nationalen Aufbruch der Frühromantik war der Antisemitismus ein starkes Motiv, galt als modern und „progressiv“. Künstler sind Kinder ihrer Zeit“, schreibt der Komponist Max Doehlmann, dessen Kompositionen (Entgegnung und Jüdisches Nachtgebet, beides Uraufführungen an diesem Abend) in das Passionsoratorium eingeschoben wurden, die eine Projektionsfläche boten und Perspektiven öffneten.
Unter dem Eindruck einer Aufführung von Bachs Matthäuspassion schrieb Spohr 1834 seine Passion, die das Geschehen aus einer ungewöhnlichen Perspektive berichtet: Der Jünger Johannes übernimmt die Funktion des unmittelbar am Geschehen beteiligten Erzählers. Zusammen mit Maria, der Mutter Jesu, schildert er die Leidensgeschichte. Besonders bemerkenswert sind die Szenen vor dem Hohen Gericht des Kaiphas sowie vor dem Kreuz mit dem musikalisch ausgemalten Erdbeben.
Dieses große Passionsoratorium ist ein Juwel der geistlichen Chormusik des frühen 19. Jahrhunderts, das Florian Ludwig, Professor an der HfM und Dirigent an diesem Abend, sowie der Oratorienchor und die Nordwestdeutsche Philharmonie wieder zugänglich machte. Die 15 Solisten an diesem Abend waren alles Absolventen der HfM und komplettieren mit ihrem sängerischen Können den großartigen Gesamteindruck.





