La Traviata
Oper von Giuseppe Verdi
Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Roman »La Dame aux camèlias« von Alexandre Dumas (Sohn)
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Um es vorab zu sagen, diese Traviata ist grandios von den Machern auf die Bühne des Detmolder Landestheaters gebracht. Es ist eine sensationelle Produktion, die zu Herzen geht und keinen Opernfreund kalt lässt.
Allen voran Johanna Nylund in der Titelrolle als „Die vom Weg abgekommene“, wie Violetta Valery sich einmal selbst betitelt. Frau Nylund erfüllt alles was Verdi von der Violetta verlangt, Aufrichtigkeit, Gefühl und starke Ausdruckskraft. Sie brilliert in allen Facetten in dieser schwierigen Partie, als eine Frau, die dem Tode so nah ist und für ihre große Liebe Alfredo Germont ihr wildes Leben als Pariser Kurtisane aufgibt für ein Leben zu Zweit auf einem Landgut nahe Paris. Alfredos Vater aber bricht in dieses Glück ein und zerstört es. Johann Nylund und Stephen Chambers als Alfredo sind ein Traumpaar auf der Bühne, sie passen nicht nur gesanglich zusammen, auch optisch sind sie eine Klasse für sich. Jonah Spungin als Vater Germont hat eine stimmliche und optisch vorzügliche Präsenz, in einem Raum, der sehr minimalistisch gehalten ist, sozusagen ein „ white cub“, ein weißer Kasten. Es wird großer Wert auf die Personen gelegt und vor allem auf Violetta. Sie bildet den Mittelpunkt, drumherum die dekadente Gesellschaft, die sich mit Polaroids die Zeit vertreibt.
Der vierte Akteur in der Partie ist der Opernchor, samt Extrachor und den Statisten des Landestheaters Detmold. Dass ist einfach schön zu sehen und zu hören. Hier werden Emotionen frei, die von Verdis Musik, von einem wundervoll aufspielenden Symphonischen Orchester des Landestheaters unter der bewährten Leitung von GMD Per–Otto Johanson gespielt, die das Flair der Stadt Paris und das Lebensgefühl von Violetta und ihrem Kreis in all ihren musikalischen Farben beschreibt. Es ist eine Musik, die das gesellschaftliche Milieu beschreibt – mit Tanzweisen, einem Trinklied ( hier mal ganz ohne Kitsch) Zigeuner- und Stierkampffolklore, dem Reigen des Karnevaltreibens, ragen doch die Szenen, der in ergreifenden Wandel zum Opfer aus Liebe bereiten Violetta als intime, facettenreiche und psychologisch fundierte Darstellung heraus. Johanna Nylund beherrscht diese Partie mit ihrem weichen, dynamischen Sopran und reicher Färbung und sie kann große Gefühle nachfühlbar machen, trotz ihrer Jugend, aber die echte „Traviata“. Marie Duplessis starb bereits mit 23 Jahren. Alexandre Dumas hielt dieses kurze heiße Leben in der „Kameliendame“ kurz nach ihrem frühen Tode fest und nicht viel später 1853 fand die Uraufführung Verdis Oper „ La Traviata“ am 6. März im Teatro La Fenice in Venedig statt.
Bereits in der Ouvertüre erklingen die Klänge die den finalen Akt der Todesszene kennzeichnen. Fast ständig ist Violetta auf der Bühne präsent, zieht sich hier sogar um und stellt mit dem Umfang ihrer Partie alles in den Schatten, was Verdi für eine Opernfigur komponiert hat.
Diese große so faszinierende Operninszenierung trägt die Handschrift der Regisseurin Vivien Hohnholtz, die uns in die Perspektive Violettas entführt, die sich Selbstbestimmung und Unabhängigkeit wünscht und dafür kämpft, aber die Gesetze der Gesellschaft sie noch immer in ihrem Leben bestimmen.Wie nimmt eine Frau, die dem Tod sehr nah ist, ihre Umwelt wahr? Welche Distanz zu anderen Menschen verschafft das Wissen um das eigene Sterben, welche Phantasien löst die Todesnähe aus. Schon von Anfang an beschwört sie eine Endzeitstimmung herauf, die sich auch in der Lichtsetzung widerspiegelt. Das ist große Oper was Vivien Hohnholz, für die Bühne Barbara Steiner und für die Kostüme Coline Meret Lola Jud auf die Bühne des Landestheaters gebracht haben mit kreative Ideen und vom Ensemble gekonnt und mit viel Engagement umgesetzt, dem das Publikum mit stürmischen Applaus dankte. Bravi und Chapeau!
Bravi und Chapeau!!!
Regie: Vivien Hohnholz
Bühne: Barbara Steiner
Kostüm: Coline Meret Lola Jud
Dramaturgie: Emilia Ebert
Chor: Francesco Damiani





