Täglich schlendern modische Entgleisungen aller Art auf Straßen und Plätzen der Städte.
Der Sommer bietet die Offenbarungen männlichen und weiblichen Geschmacks, laden zu erstaunlichen Studien ein.
Gaben sich modebewusste oder auch unkritische Stoff-, Leder- und Fellträger und Trägerinnen immer schon dem Trend der Zeit hin?
Diese Frage ist wohl seit Jahrhunderten zu bejahen.
Der Strumpf zum Beispiel entwickelte sich allmählich und ab dem 12.Jahrhundert trug „Er“ darüber einen langen Rock.
Im 14.Jahrhundert trug der Herr den Rock wieder kurz und darunter eine enge Strumpfhose. Mitunter wurde angeprangert, dass der Rock zu kurz sei und man die ganze Männlichkeit sähe.
Um diese noch zu betonen, wurde über der Strumpfhose eine Schamkapsel(Braguette)angelegt, deren Größe individuell gestaltet wurde. Die Schamkapseln nahmen häufig groteske Formen an, sodass man der Sittlichkeit wegen diese Kapseln in manchen Städten verbot.
Die Damen hatten bis etwa 1500 das Glück weite Kleider tragen zu dürfen. Es galt als wohlhabend fett zu sein und üppige Stofflagen täuschten vor, was man nicht auf den Rippen hatte.
Mit der spanischen Hofmode kam nun das ganze Gegenteil auf. Flachbrüstig schmal war das Gebot der Mode und dazu mussten sich die Damen in sogenannte Körperkörbe pressen. Sie waren aus Holz, Fischbein oder sogar aus Metall gefertigt.
Durch das Pressen in diese Körbe war nur ein steifes gerade gehen und sitzen möglich. Das galt als schick und vor allem als vornehm.
Einige Jahre später sollten die Damen Busen zeigen. Alles, was möglich war, wurde eng nach oben verschoben und die berühmte Wespentaille kam in Mode.
Durch enge Schnürmieder, welche nicht selbst angelegt werden konnten, wurden die inneren Organe schwer geschädigt.
Es kam sogar zu Todesfällen. Kurzatmigkeit und die berühmten Ohnmachten bezeichnete man als vornehm.
Der Arzt Samuel Thomas Soemmering warnte vor den Folgen der engen Schnürmieder.
Doch schon ein paar Jahrzehnte später kamen Korsetts auf, mit welchen sich die Frauen ebenfalls bis zur Ohnmacht kasteiten.
Die sogenannte S-Linie bildete Anfang des 20.Jahrhunderts das bislang absurdeste, was die Modewelt ersann. Die Schnürung presste den Brustbereich nach außen. Die neuen Korsetts reichten über die Hüften und wurden derart geschnürt, dass der Po grotesk vorstand, der Bauch so flach wie möglich nach innen gepresst wurde.
Erst 1917 war das Modehaus Chanel führend bei der neuen, legeren Frauenmode. Der Zeitgeist machte möglich, dass sich Frauen sportlich betätigen konnten. Das erforderte auch bequemere Unterwäsche.
Als später wieder figurbetont die Richtung bestimmte, konnte sich frau durch neue elastische Fasern die neue Mode leisten.
Mode, verbunden mit Schmuck und Schminke scheint ein Grundbedürfnis des Menschen zu sein.
Der sogenannte Lotos- oder Lilienfuß bei chinesischen Frauen war jahrhundertelang ein Ideal. Nach der Tang-Dynastie, in welcher die Frau hoch geachtet war, folgte in der Song-Dynastie eine Wandlung.
Die neue Mode der gebundenen Füße führte zur eingeschränkten Beweglichkeit und machte die Frauen abhängig. Die Füße wurden den Mädchen von klein auf gebunden und verursachten schwere Deformierungen, starke lebenslange Schmerzen und teilweise Vereiterungen. Der Ursprung dieser Fußschnürung geht angeblich auf die Liebste des letzten Tang-Herrschers zurück. Sie wollte auf einer lotusblütenähnlichen Bühne tanzen.
Ketten, Ringe und Ohrschmuck können schön sein und werden seit Jahrtausenden von beiden Geschlechtern getragen.
Auf Röntgenaufnahmen hat man die Ursache der langen Hälse der Padaung Frauen aus Myanmar festgestellt. Durch das Anlegen des spiralförmigen Schmuckes(es sind keine Ringe) haben sich nicht die sieben Halswirbel und Bandscheiben gestreckt. Die kunstvoll angelegten Spiralen sind aus Messing oder Gold-Silber-Messing Legierungen. Durch die Schwere des Metalls und die Handhabung der Spirale verändern sich im Laufe der Jahre der Schultergürtel, die Schlüsselbeine und die oberen Rippen in extreme Deformation und täuscht optisch einen langen Hals vor. Man weiß bis heute nicht mit Sicherheit, was der Grund für diese Tradition ist.
Eine Tradition aus Afrika sei noch genannt. Der Lippenteller der Surmay Frauen wird mit Beginn des 20.Lebensjahres angelegt. Es ist ein Hochzeitstribut. Der größte Teller soll 60cm Durchmesser gehabt haben. Jeh großer der Teller, desto höher ist der Brautpreis.
Wer schön sein will, muss leiden?
Was sich Modewillige auferlegen?
Nun, wer kennt sie nicht, die Highheels , welche die Füße verformen. Piercing an Körperstellen, die sich im Laufe der Zeit entzünden.
Dick und rund, na und! Bulimie schadet, aber wie!
Nun, die nächsten Fashion Wochen stehen vor der Tür, bereiten Sie sich vor – oder lesen Sie noch einmal Erich Kästners Gedicht „Sind sie nicht pfui teuflisch anzuschauen?“