Als das Lügen
noch geholfen hat und ein erklecklich Sümmchen eingebracht hätte, war der berühmte Baron von Münchhausen pleite.
Doch beginnen wir von vorn.
Wer kennt ihn nicht den sagenumwobenen Baron von Münchhausen? Geboren wurde Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen 1720 in Bodenwerder. Mit 13 war es für Jungen aus adligem Hause Brauch den richtigen „Schliff“ zu kriegen und so kam er an den braunschweigischen Hof nach Wolfenbüttel. Mit 17 wurde er Page von Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel. Dieser wollte hoch hinaus, bevor er tief fiel und heiratete eine Nichte der Zarin Anna Iwanowna. Dazu musste er sich in der russischen Aristokratie bewähren, er wurde Oberbefehlshaber der russischen Armee. Deswegen musste Page Hieronymus Münchhausen nun seinem Herrn in den Russisch-Österreichischen-Türkenkrieg folgen. Vielleicht, denn – wie es sich für einen Lügner gehört: nichts Genaues weiß man nicht! Vielleicht aber doch, denn wie sonst hätte er auf einer Kanonenkugel reiten können, wenn er nicht den Krimkrieg mit Sultan Osmans Mannen miterlebt hätte? Kaum war der Krieg zwei Jahre vorbei, zogen die Kürassiere in den Russisch-Schwedischen Krieg unter der Regimentsleitung des Anton Ulrich. Was sollen Soldaten auch sonst machen und so ein Krieg macht was her. Münchhausen wurde zum Leutnant befördert und die Karriere versprach steil nach oben zu verlaufen. Er blieb in Riga und machte von nun an auf einem anderen Gebiet von sich Reden, denn die deutschen und baltischen Adligen liebten das Geschichtenerzählen. Nur recht phantasievoll sollten sie sein. Münchhausen lernte die Tochter des Landadligen von Dunten kennen, heiratete sie und kehrte nach Bodenwerder an die Weser zurück. Hier kam sein Erzähltalent nun richtig in Schwung und bald kamen von fern und nah Gäste, die nicht genug von den Phantastereien hören konnten – so erfuhren sie von der Kanonenkugel auf welcher er ritt und wie er sich am eigenen Haar aus dem Sumpf zog, wie er auf einem halben Pferd ritt oder mittels einer Bohnenrank den Mond erreichte. Am 22. Februar 1797 starb er mit 77 Jahren in Bodenwerder. Übrigens in der Republik Moldau, in Transnistrien, befindet sich die berühmte Kugel auf welcher er geritten ist.
Ach ja, wenn Ihnen Menschen bekannt sind, die großspurig prahlerische Lügengeschichten erzählen, nennt man das eine „Münchhauseniade“. Seit in den USA der Präsident Donald Trump heißt, ist Fake News ein häufig angewendeter Begriff – nichts anderes als eine Lügengeschichte. Die „Washington Post“ prüft akribisch mittels einer Datenbank die Lügen und Falschaussagen des Präsidenten. Seit 2016 bis 2020 und weiterführend bis jetzt, verbreitete Trump mehr als 22 000 Lügen. Bob Woodward und Carl Bernstein hätten ihre Freude an solch einer Prüfung. An der Universität Freiburg fand 2025 eine Konferenz für Politische Philosophie zur Erkennung und Bekämpfung politischer Desinformation mithilfe von KI-Technologie statt.
In der Politik wurde immer schon gelogen. Schon von Platon bis Machiavelli gab es den Rat, wenn man lügt, sollte es wenigstens nicht rauskommen.
Donald Trump gibt sich keine Mühe Lügen kund zu tun. Er lügt offen nachweisbar, um seine Interessen zu verfolgen. Sein Auftreten und seine Inszenierungen lassen offenbar Millionen Amerikaner glauben, was er sagt.
Die Tagesschau betitelte ihn unlängst als „Herr der Lügen“.
Und falls Sie nicht glauben, dass sich der Baron einmal am eigenen Schopfe aus dem Sumpf gezogen hat, dann sollten sie nach Bodenwerder fahren. Um die Lügengeschichten des Donald zu erfahren, brauchen Sie nur abends bequem im Sessel sitzend die Nachrichten anzuschauen.
Glauben Sie nicht? Probieren Sie es doch – gleich heute.
Sabine Penckwitt für kulturinfo.lippe.de




