Albert Camus – Der Fremde
“ Der Fremde “ ist von Francois Ozon verfilmt worden und jetzt in den Kinos angelaufen. Es handelt sich nach Lucino Viscontis Fremder (1967) um die zweite Verfilmung von Camus’ Roman. Ozon hatte anfänglich Zweifel, das berühmte Werk verfilmen zu können. Zuvor hatte er weniger bekannte oder anerkannte Literatur für das Kino adaptiert. Für Ozon stellte Der Fremde eine Herausforderung dar, da das Buch aus dem Jahr 1942 ein großes Lesepublikum hatte. Er habe sich dennoch mit „einer gewissen Unbeschwertheit“ in die Arbeit gestürzt. Der großartige in Schwarz – Weiß Bildern gehaltene Film, ist ganz im Stil Ozons gehalten, sehr künstlerisch und publikumswirksam, ganz im Sinne des ehemaligen Werbefilmers Ozon. Die Hauptrolle spielt Benjamin Voisin. Bei Ozon bekommt die Geschichte eine neue Deutung. Er erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, dem die Gesellschaft nicht erlaubt seine Homosexualität auszuleben. Und der sich das selbst auch nicht nicht zugesteht. Diese Neuinterpretation wird von Ozon in der Nähe des Gefrierpunktes gehalten, im Gegensatz zu Viscontis Verfilmung mit Marcello Mastroianni, der sich anschließend vorwarf, das sein Film zu gefühlvoll und zu hitzig geworden sei.
Der 1960 bei einem Autounfall ums Leben gekommene Camus prägte das Denken im 20.Jahrhundert entscheidend mit. Er hatte südfranzösische Wurzeln väterlicherseits, mütterlicherseits spanische. Der Vater starb in einem Lazarett in der Bretagne gleich zu Beginn des 1. Weltkrieges 1914.
Das Böse, das Absurde, der Tod und die Skepsis ziehen sich als Leitmotiv durch sein Werk. Die Kunst schien ihm die einzige Befreiung aus der Zumutung der Existenz. Camus revoltierte gegen die leere Betriebsamkeit des Lebens. „ Sich entscheiden, ob das Leben es wert ist gelebt zu werden oder nicht, heißt auf die Grundfragen der Philosophie antworten“. Er war Schriftsteller und Philosoph. 1957 bekam er den Nobelpreis für Literatur und hat ihn angenommen, im Gegensatz zu Sartre, der ihn abgelehnt hat.
Das Absurde ist für Albert Camus das Gefühl der Fremdheit in der Welt, Das Hin- und Hergerissen werden zwischen menschlicher „ Hoffnung“ und „ Todesgewissheit. Er fühlte angesichts des Absurden auch „ Ekel“ und „ Überdruss“ dem Dasein gegenüber und stellte sich die Frage, ob das Leben überhaupt „ lebenswert“ ist oder nicht. Diese Frage möchte Camus radikal mit ja oder nein beantworten. Er war Atheist und stark von Friedrich Nietsche beeinflusst. Das Buch gilt als Haupt- und Schlüsselwerk der von Camus entwickelten Philosophie des Absurden, die bereits in den berühmten ersten Sätzen anklingt “ Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß nicht.“
In der Geschichte „Der Fremde“, ist Meursault, so heißt die Hauptperson ein zum Tode verurteilter im Algerien der 1930er Jahre, der zufällig zum Mörder wird. Der Mord passiert ohne das Meursault dies überhaupt realisiert – er wird von dem auf der Messerklinge seines Widersachers reflektierenden Sonnenlichts geblendet als der Schuss sich löst. Meursault, den zum Tode verurteilte, bezeichnet Camus als einzigen Christen, den wir, die Gesellschaft, verdienen. Meursault kann keinem Gott vertrauen, da Jesus nicht von dieser Welt ist, so heißt es in der Bibel und er möchte nicht „in der Lüge leben“. Kurz vor seiner Hinrichtung sagt Meursault jedoch von sich selbst, das er glücklich ist und das er in der Natur etwas Ähnliches findet was er zärtlich „Gleichgültigkeit“ nennt.




